Unsere fleischlastige Ernährung verursacht enorme Emissionen von Treibhausgasen und der Landverbrauch steigt mit jedem Schnitzel. Vegetarisch und Vegan als Lösung?

Mann hält Gemüse am Arm

80.000 Veganern, 765.000 Vegetariern und 4,2 Millionen Flexitariern gibt es laut Statistik in Österreich. Tendenz steigend. ©Unsplash

Wieviel Treibhausgase produzieren wir durch unsere Art zu essen? An der Universität für Bodenkultur Wien wurde im Rahmen des Projekts DIETCCLU erhoben, welchen Einfluss die unterschiedlichen Ernährungsweisen auf Klimawandel und Flächeninanspruchnahme in Österreich und in Übersee haben. „Die Ernährung hat mit einem Anteil von 20-30% aller Treibhausgase einen großen Anteil an den klimarelevanten Emissionen in Österreich. Unser Ernährungsverhalten hat ebenso einen Einfluss auf den Landverbrauch und damit auch auf die Ernährungssicherheit“, erläutert Martin Schlatzer vom Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit.

Die Studie bringt drastische Erkenntnisse

Die gegenwärtige durchschnittliche, omnivore Ernährung in Österreich (OMNI IST) verursacht in Summe 1.467 kg CO2-eq-Emissionen/Person und Jahr. Wenn wir unsere Ernährung den allgemeinen Empfehlung der Österreichischen Ernährung anpassen würden, d. h.  deutlich weniger Fleisch essen, nämlich 66 Prozent weniger, dann könnten 28,2% der Treibhausgas-Emissionen eingespart werden. Vegetarier vermindern die THG-Emissionen sogar um 47,7%. Das größte Einsparungspotential kann durch einen Umstieg auf eine vegane Ernährung mit lediglich 439 kg CO2-eq pro Person und Jahr erzielt werden, was einer Einsparung von 70,1 Prozent der THG-Emissionen entspricht.

„Die durchschnittliche österreichische Ernährung hatte den größten klimatischen Impact, die vegane Ernährungsweise in der Biovariante den geringsten“ fasst Martin Schlatzer die Ergebnisse zusammen. „Unsere Studie macht deutlich, dass die Umstellung auf eine Ernährung mit wenig Fleisch und vor allem auf eine ovo-lacto-vegetarische oder vegane Ernährung einen deutlichen Benefit für Klima, Flächenverbrauch und Gesundheit mit sich bringt – eine Win-Win-Situation für das Erreichen des Pariser Klimazieles als auch für unsere Gesundheit.“ Denn bei einer Umstellung auf gesündere Ernährungsweisen könnten laut Vereinten Nationen weltweit 11 Millionen Tote pro Jahr vermieden werden.

Immer mehr Österreicher “fallen vom Fleisch”

Acht Prozent der heimischen Bevölkerung ernährt sich ausschließlich vegetarisch oder vegan, weitere 17 Prozent tun das zumindest zeitweise. Die Anzahl der Vegetarier in Österreich wird auf 765.000 geschätzt, jene der Veganer auf 80.000. All jene, die sich hauptsächlich vegetarisch ernähren aber doch gelegentlich zu hochwertigem und biologisch produzierten Fleisch greifen, werden als Flexitarier bezeichnet. Auf 26 % der Österreicher passt diese Beschreibung zu, so die Statistik Austria Zahlen 2020.

Laut Statistiken ist der Veganer übrigens weiblich, meist jung, gebildet und sozial engagiert. Hauptsächlich findet man ihn, oder vielmehr sie, in Wien und im Burgenland, seltener hingegen in Tirol und Salzburg (Umfrage marketagent). Als Veganer ist man nicht nur gegen die Nutzung von Tieren und tierischen Produkten. Der Veganismus geht weit über die vegetarische Ernährungsweise hinaus. Selbst Leder und Wolle sowie Kosmetika und Medikamente mit tierischen Anteilen werden von „eingefleischten Veganer“ nicht konsumiert. Lederschuhe kommen also nicht an ihre Füße.

Hauptgrund: Du sollst nicht töten!

Tatsächlich ist der wichtigste Auslöser für eine vegetarische oder vegan Ernährung, Tierliebe und Tierschutz, also der Respekt vor anderem Leben. Medienberichte über Massentierhaltung und Tierleid haben viele dazu gebracht, ihre Ernährung zu überdenken. Geschredderte Küken, Kälber und Schafe die unter unvorstellbaren Bedingungen quer durch Europa gekarrt werden, Massentierhaltung, von Medikamenten aufgeblähten Schweinen und Kühe, … . Gerade durch die Massentierhaltung schaffen wir einen idealen Nährboden für Infektionen. Das Coronavirus wurde wahrscheinlich von einem Tier auf den Menschen übertragen. Diese sogenannten Zoonosen werden aber nicht nur von Wildtieren, sonder auch von Haus- und Nutztieren übertragen. (Vogelgrippe, die Schweinegrippe, die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit oder die Salmonellose).

Markt der Zukunft

Laut Kearney, einer international renommierten Unternehmungsberatung, ist der vegetarische und vegan Markt “Der Markt der Zukunft”. Man schätzt, dass für 2040 nur mehr 40 % des Umsatzes der Fleischwirtschaft mit konventionellem Fleisch toter Tiere erzielt wird. Dieses wird ersetzt werden durch alternative Proteinquellen – pflanzliche Fleischalternativen (25 %) und zellbasiertes Fleisch (35 %).  Natürlich hat die Lebensmittelindustrie das ungeheure Potenzial der Vegetarier und Veganer längst erkannt. Wer allerdings glaubt, der Griff nach fleischlosen Produkten schützt vor Schadstoffen wie Pestiziden, der liegt leider falsch. Gerade in diesem boomenden Marktsegment ist Achtsamkeit gefragt.

Das vegetarische und vegane Angebot unserer heimischen Produzenten auf bauerladen.at steht für Nachhaltigkeit und Regionalität.

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