Holunder betört uns jetzt mit seinem Blütenduft, im Spätsommer schenkt er uns dunkle Beeren. Er ist ein großzügiger Strauch, in dem viele gute Geister hocken.

Holunderblüten

Holunderblüten sind die Basis vieler regionaler Köstlichkeiten. ©Pixabay

Er wartet ab, bis die Eisheiligen – in diesem Jahr war das vom 15. bis 20 Mai – vorbei sind. Dann kommt seine Blütezeit. Vorher nehmen wir ihn kaum wahr, so selbstverständlich hat sich der Sambucus nigra in unser Landschaftsbild eingefügt. Ursprünglich aus Nordamerika ist er heute aus dem Alpenraum nicht mehr wegzudenken. Der Großstrauch steht auf Waldlichtungen unter hohen Laubbäumen, am Waldrand, entlang sonniger bis halbschattiger Wegesränder oder Böschungen. Er ist auch gerne in unserer Nähe. Steht bevorzugt an Bahndämmen, in der Nähe von Gebäuden im Windschatten der Häuser. Um unsere Aufmerksamkeit, und natürlich auch die von Rotkehlchen & Co  auf sich zu lenken, weiß er sich zu gegebener Zeit ins rechte Licht zu rücken. 

Seine zwei Gesichter

Jetzt gerade präsentiert er sich mit seinen winzigen, filigranen, cremefarbenen Blütenrispen. Wie Prima-Ballerinas in ihren Tutus tanzen sie im Wind. Die Blüten duften nach Vanille, Butter oder Pfeffer und haben ein wunderbares Aroma. Im Hochsommer zeigt der Holunderstrauch sein zweites Gesicht. Lässt er seine Beeren anfänglich noch rot leuchten, hängen diese Ende August, Anfang September als violette, fast schwarz glänzende Perlen in seinen Zweigen. Allerdings sollten die Beeren nicht roh und schon gar nicht unreif verspeist werden, das kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Das Gift Sambunigrin, ein cyanogenes Glycosid, zerfällt beim Erhitzen und verliert seine toxische Wirkung. 

Aber Holler – die machen was draus!

Rita Davidson und ihr Hollerpeeling

Holunderbeeren ©unsplash

Es macht Spaß, die Blüten und im Spätsommer die Beeren des Hollerstauches zu ernten und zu verarbeiten. Etwas Zeit und Muse braucht man dazu natürlich. Sie haben weder das eine noch das andere? Keinen Holunder in ihrer Nähe? Sie fürchten mit den Beeren Ihr “blaues Wunder” zu erleben? Kein Grund auf den Genuss von Holunderköstlichkeiten zu verzichten. Unter unseren Bauernladenproduzenten gibt es wahre Hollerexperten. Sie verstehen es, die  Blüten und Beeren aufzubereiten und ihre eigenen kleinen Hollunderwunder zu produzieren. Aus den aromatischen Blüten entstehen allerlei Köstlichkeiten. Essige, Gelees, Marmeladen und Honig. Für all jene die selbst ernten, die Blüten kann man sogar backen und noch frisch und warm mit Vanilleeis essen. Unser Favorit ist aber eindeutig der Holunderblütensirup, sicherlich einer der beliebtesten Säfte überhaupt. Und was wäre ein lauer Sommerabend auf einer Terrasse mit Freunden ohne den “Hugo” – einen Weißen-Gespritzen mit einem Schuß Hollersirup und Minze? So zart und hell der Saft der Blüten ist, umso dunkler ist jener der Beeren. Hollunderbeerensaft sieht aus wie Medizin. Ist er auch, nur eben eine die gut schmeckt. Unsere Produzenten bringen die Beeren in die Flasche, ganz ohne Farb- und Konservierungsstoffe. 

Ein Apotheker

Bemerkenswert, diese Vielfältigkeit des Holunders. Zudem ist er nicht nur eine Augenweide und ein Fest für den Gaumen, er tut auch unserer Gesundheit gut. Zahlreiche Heilkundige, angefangen von Hippokrates im vierten Jahrhundert vor Christus bis hin zu Hildegard von Bingen, schworen auf seine Kräfte. Im Volksmund sagt man, dass ein Holunder im Garten wertvoller ist als eine ganze Apotheke. Seine Blüten und Beeren sind reich an Anthocyanen, die eine stark antioxidative Wirkung haben. Zudem beinhalten sie ätherische Öle, Gerb-und Mineralstoffe wie z.B. Kaliumsalze und Vitamin C, A, B1, B2 sowie Folsäure. Als heilende Helfer des Holunderstrauches sind die Flavonoide die wirksamsten Kämpfer gegen Viren und Bakterien. Ein Kraftpaket an Inhaltsstoffen die uns Gutes wollen: fiebersenkend, krampflösend, beruhigend, schmerzlindernd, schweißtreibend, entzündungshemmend und blutreinigend. Zu Heilzwecken werden die Hollunderblüten meist als Tee verabreicht, die dunklen Beeren als Saft. Sie wirken aber auch vorbeugend, stärken unsere Abwehrkräfte und reinigen den Darm. 

Die Macht des Holunders

Der Holunder gehört seit jeher zu den populärsten Volksheilmitteln. Er spielt in der Heilkunde und auch im Glauben der Menschen eine wichtige Rolle. Viele Sagen und Mythen ranken sich um den vielseitigen Holunder. Er wird namentlich in unmittelbarer Beziehung zur Frau Holle, bzw. der “Holder”, zur germanischen “Hulda” gesetzte. Die Germanen brachten der Holla/Hulda unter dem Hollerbusch Dankesopfer dar. Andere verneinen diesen etymologischen Bezug. Sie leiten vom indogermanischen “hul” für “schwarz” und “-der” von “Baum” ab, also Schwarzbaum. Der Respekt der Menschen vor dem Holler spiegelt sich in einer alten Bauernregel wider, die uns sagt dass wir uns vor dem Holunder verbeugen sollten. Wer einen Holunder mutwillig schädigte, der konnte mit Krankheit, Unglück und Tod bestraft werden. Er wurde als ein Baum des Lebens und des Todes verehrt, gleich wie das Weiß seiner Blüten und das Schwarz seiner Beeren. Verstorbene wurden auf Hollunderzweigen gebettet, und ein sterbender Holunder auf dem Hof wies auf den baldigen Tod eines Bewohners hin. Heute hat der einst so heilige, Sagen-und Mythen umwobene Strauch seinen Nimbus verloren. Trotzdem kann man manchmal noch Menschen beobachten, sie sich im respektvoll nähern, sei es auch nur um seine Blüten oder Früchte zu ernten. Oder es sind die Kinder, die im Garten beim Holunderbusch spielen. Aber wer weiss, ob sie noch den alten Kinderreim kennen: “Ringel Ringel reihe, sind wir Kinder dreie, sitzen unterm Hollerbusch, machen alle Husch, Husch, Husch!” 

Tipp: Fräulein Holler, also Manuela Leiner, hat sich ganz dem Holler verschrieben. Sie lässt alte Rezepte wieder aufleben und bietet neue, sehr kreative Produkte.

… oder Holler Vulkan: Sieben engagierte Landwirte aus dem Vulkanland rund um St. Anna am Aigen haben sich zusammengetan, um ein Fruchtsaftgetränk zu entwickeln, das nicht nur positive Auswirkungen auf die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Menschen hat, sondern auch noch schmeckt. Die Steirer nutzten mit dem Holunder eine Pflanze, deren Wirkstoffe schon unsere Großeltern zu schätzen wussten.

Und dann gibt es noch Holler– und Holunder-Köstlichkeiten von vielen weiteren Bauernladen Produzenten: