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Es droht wieder Ungemach im Erdäpfelland. Diesmal erregen die teuren Auslandsheurigen die Gemüter der oberösterreichischen Erdäpfelbauern.

Eferdinger-Landl Obmann Manfred Schauer sieht seine Erzeugergemeinschaft im Nachteil. ©Eferdinger-Landl

Schuld sind wieder einmal die Pflanzenschutzmittel. “What else?”, um mit George Clooney zu sprechen. Diesmal erregen sich die oberösterreichischen Gemüter, weil ausländische Bauern zu Spritzmittel greifen können, die den heimischen verwehrt sind. Deren Heurige werden in den heimischen Supermärkten trotz Pestiziden gerade teuer an den Mann und die Frau gebracht. “Wir würden uns wünschen, dass wir mit unseren Heurigen gleiche Preise erzielen würden”, empört sich die Erzeugergemeinschaft Eferdinger-Landl. Während sie nämlich der Klimawandel fordere und das Jahr 2018 schlecht gewesen sei, würden ausländische Bauern profitieren.  “Speziell bei Erdäpfeln aus Ägypten und Israel dürfen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die in Österreich seit Jahrzehnten verboten sind, sagt Geschäftsführer Ewald Mayr.” Ergo fordert man für diese Länder künftig die gleichen Produktionsauflagen wie in Europa. Es blieben dann ohnehin immer noch die langen Transportwege und sozialen Aspekte, wie etwa die schlechte Bezahlung ägyptischer Feldarbeiter.

“Ab 30 Grad hört der Erdapfel zu wachsen auf”

Mit ihrer Forderung stoßen die Oberösterreicher allerdings in ein ganz anderes Horn als ihre in niederösterreichischen Kollegen. Dort läuft man zwar aus dem selben Grund heiß. Aber man fordert, selbst mehr Pestizide einsetzen zu können, um die Versorgung heimische Ware zukünftig noch sicherstellen zu können. “Sinnvoller Pflanzenschutz” heißt das im O-Ton. Tatsächlich wurde der Lebensmittelhandel heuer erstmals nicht durchgehend beliefert. Die neue Saison allerdings erfreute zunächst. “Wir konnten heuer im Februar rekordverdächtig früh pflanzen”, so Manfred Schauer, Obmann der Erzeugergemeinschaft. Aber dann kamen der Mai, die Kälte und die unerwarteten zwei Wochen, die die Vegetation plötzlich länger brauchte.  Der Klimawandel ist nicht mehr zu verleugnen: “Seit Jahren ist zu erkennen, dass sich das trockene pannonische Klima Ostösterreichs wie eine Zunge Richtung oberösterreichischen Zentralraum streckt”, sagt Schauer. Und fügt hinzu: “Ab 30 Grad hört der Erdapfel zu wachsen auf. Bei 30 Hitzetagen wie 2018 heißt das, dass die Knolle an 30 Tagen nicht größer wird.”

Drama Drahtwurm

Und noch ein Feind hat 2018 auch vor Oberösterreich nicht halt gemacht: Der Drahtwurm. Durch das Bewässern der ausgereiften Knollen hat man zwar das Schlimmste verhindert. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Ernte mussten trotzdem viele entsorgen. Die gingen dann aber dann immerhin zumeist an die viehhaltenden Betriebe im Bundesland. Betriebswirtschaftlich? Trotzdem ein “Desaster”. Denn den heimischen Erdäpfelbauern gelang nicht, was den deutschen gelang. Die erzielten durch die Knappheit etwa 40 Prozent höhere Preise. Hier, sagt Mayr, habe man davon nicht profitieren können, obwohl die Preise für die Konsumenten stiegen. Eine Lösung? Ist für einige, von Speise- auf Industrieerdäpfel umzusteigen, sagt Karl Grabmayr, Vizepräsident der oberösterreichischen Landwirtschaftskammer OÖ. “Beim Speise-Erdäpfel-Anbau gibt es heuer einen Rückgang um ca. drei Prozent. Diesen Rückgang gleichen die Industrie-Erdäpfel-Flächen aber aus, die besonders im Bio-Bereich deutlich zugenommen haben.”

http://www.landl-erdaepfel.at

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