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Die Betreiber der jungen Social Media App “Castl” fordern zum Küssen von Kühen für den guten Zweck auf. Eine gute Idee ist das aber leider nicht.

Kühe zu küssen ist kein Spass, auch wenn noch so viele Schweizer App-Entwickler das meinen. © Castl AG

David Franz, der österreichische Eishockey-Profi tut es, die deutsche Reisebloggerin Jana Kodalle, der Schweizer Schauspieler Sam Jimmyjoe und Malte Dünser, Protagonist des You Tube Stunt-Channels “Dum”. Sie alle machen, was man als Influencer halt so macht, um Geld zu verdienen. Skurrile Challenges absolvieren etwa.  Für die neueste namens #KuhKussChallenge treiben sie sich in den heimischen und den Schweizer Alpen herum, um Kühe zu küssen. Mit und ohne Zunge, wie die Schweizer Betreiber der Community-App Castl verlauten lassen. Die haben dazu aufgefordert. Dahinter steht, wie sie sagen, ein guter Zweck. Jeder Beitrag, der auf Castl zu einer Challenge gepostet wird, erzeugt automatisch eine Spende an gemeinnützige Projekte. Derzeit hat man über 70 in Petto – allesamt haben sie das Spendengütesiegel.

Bei Mutterkühen lebensgefährlich

Castl-Ceo Marnus Flatz, sagt, dass weder Mensch noch Tier bei der Challenge zu Schaden kommen sollen. Er hat laut eigenen Angaben selbst bereits eine Kuh becirct. Vorübergegangen ist an ihm und seinen Influencern aber offenbar die tödliche Kuhattacke auf einer österreichischen Alm, das darauf folgende Aktionspaket “Sichere Almen” und, dass diese Gebiete kein Streichelzoo sind. Tirols Landesveterinärdirektor Josef Kössler fällt dazu nur mehr eines ein: “Das ist sehr gefährlich, bei Mutterkühen sogar lebensgefährlich.” Diesen Tieren, sagt er, dürfe man so keinesfalls begegnen. Im Gegenteil müsse man die Grenzen der Tiere respektieren. “Unbekannte Tiere anzugreifen ist unverantwortlich – aus Eigenschutz und aus Tierschutz”. Ähnlich sieht das Tirols Landwirtschaftskammer Präsident Josef Hechenberger. Der kritisiert zudem, dass die Almkühe nun für einen skurrilen Social Media-Hype herhalten müssten. Auch, dass es einerseits Verhaltensregeln für Wanderer brauche, und auf der anderen Seite derart skurrile Ideen gehypt würden – Verletzungsgefahr inklusive, findet er seltsam: “Es gibt sicherlich andere Möglichkeiten, Spenden zu sammeln”, so Hechenberger.

Die Landwirtschaftsministerin mischt sich ein

Weil die Challenge aber trotz aller Warnungen weiter Fahrt aufnimmt, sieht sich jetzt sogar Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger zum Eingreifen gezwungen. “So eine Challenge ist wirklich gefährlicher Unfug”, sagt sie. Nun hat sie mit den Initiatoren Kontakt aufgenommen, um die Aktion zu stoppen. Challenges wie diese können tatsächlich gravierende Folgen haben. “Mutterkühe schützen ihre Kälber und werden aggressiv, wenn man sich nicht richtig verhält”, meinte Köstinger. Man habe nicht umsonst eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht, die Almbesuchern mehr Eigenverantwortung überträgt. “Unsere Arbeit für ein gutes Miteinander auf den Almen wird konterkariert, dafür habe ich nicht das geringste Verständnis”, so die Ministerin. Ihr Fazit ist entsprechend klar: “Ich kann nur davor warnen, sich  zu beteiligen. Das ist kein Spaß und kann im schlimmsten Fall zu Verletzungen bzw. erneuten Zwischenfällen mit Mutterkühen auf Almen führen.”

Kein vorzeitiges Ende der Challenge

Nehmen die App-Entwickler die Forderung Köstingers ernst? Nein. „Diese Panikmache von Leuten, die noch nie eine Kuh geküsst haben, verbitte ich mir“, entgegnete Flatz. Wie beim Wandern sei ein gewisses Maß an Vorsicht auch im Umgang mit Kühen eine Frage des gesunden Menschenverstands. Und auch zur Würde der Kuh hatte Flatz in einem offenen Brief an Elisabeth Köstinger etwas zu sagen:  “Solange wir Kühe in Tiertransporten quer durch Europa schicken, ihr Fleisch essen und ihnen jeden Tag an den Zitzen ziehen, soll mir bitte niemand erklären, dass ein Küsschen die Würde einer Kuh verletze.” Der Forderung nach einem vorzeitigen Ende der Challenge entspricht Castl nicht: “Wir glauben, dass die Freiheit des Einzelnen höher wiegt, als grundsätzliche Bedenken”, so Flatz. Allerdings passt man die Beschreibung dahin gehend an, “dass wir jeden Teilnehmer bitten, nur mit Einverständnis des Bauern ein Küsschen zu wagen.”

http://www.sichere-almen.at – hier finden Sie die Verhaltensmaßregeln auf Almen

https://www.instagram.com/p/BxeMf-xoJZd/ – der Instagram Auftritt der #KuhKussChallenge-Erfinder.