Bockbier ist nahrhaft, hat einen hohen Alkoholgehalt, schmeckt malzbetont, süßlich mit dezenter Hopfennote. Das perfekt Getränk also in der Fastenzeit?

Stefan Feistritzer und Alois Planner von der Craft Bier Brauerei Loncium in Kötschach Mauthen

Klaus Feistritzer und Alois Planner von Loncium sind bekennende Hopfenkünstler.Sie brauen ein Weizenbock. ©Loncium Brauerei

Bekanntlich bricht Flüssiges ja das Fasten nicht. Dennoch hatten bayerischen Mönche Bedenken, ob das auch für das wunderbar starke und nahrhafte Bockbier gelten könne. Das war im 17. Jahrhundert. Verstößt ein solch herrlicher Trunk nicht gegen das Fastengebot? Um sich abzusichern, schickten die Mönche ein Fass des Bieres nach Rom in den Vatikan. Der Pabst sollte das entscheiden. Auf der wochenlangen Reise wurde das Bier kräftig durchgeschüttelt, war Kälte und Sonne ausgesetzt. Was in Rom ankam war ein völlig verdorbenes Gebräu. Der Legende nach geschah folgendes: Nachdem der Pabst das “Bier” probiert hatte, lobte er die Leidensfähigkeit seiner bayerischen Brüder und gab das Starkbier als Fastentrunk frei. Bis heute wurde daran nicht gerüttelt.

Wer hats erfunden?

Die Bezeichnung „Bockbier“ geht auf die Stadt Einbeck in Niedersachsen zurück. Zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert verlagerte sich die Bierherstellung von den Klöstern immer mehr auf kleine Familienbetriebe. In Einbeck in Niedersachsen wurde erstmals starkes, alkoholhaltiges Bier mit hoher Lagerfähigkeit bzw. Haltbarkeit hergestellt, wofür ein hoher Stammwürzegehalt nötig war. So konnte das Bockbier als Luxusgut sogar bis nach Italien exportiert werden. Die Stadt wurde somit zum Namensgeber für das Bier. Aus dem „Einbecker“ oder „Ainpöckischen Bier“ wurde im Laufe der Jahre und Jahrhunderte das „Bock Bier“ oder einfach der „Bock“.

Stammwürze ist entscheidend

Bockbier gehört zur Gattung der Starkbiere. Um ein Bier Bockbier nennen zu dürfen, benötigt es eine Stammwürze von mindestens 16 Prozent und muss mindestens 18% betragen, wenn ein Doppelbock gebraut werden soll. Je mehr Malz beim Brauen eingesetzt wird desto höher steigt der Stammwürzegehalt. Der Stammwürzegehalt ist aber nicht der Alkoholgehalt. Denn dieser beträgt etwa ein Drittel des Stammwürzegehaltes. Als Stammwürze wird jener Anteil gelöster Stoffe bezeichnet, die sich im Biersud vor der Vergärung befinden. Also  Zucker, Eiweiß aber auch Vitamine, Mineralstoffe, Aromastoffe oder Malzstoffe. 16 % Stammwürze bedeutet, dass in 1000 Gramm Bierwürze 160 Gramm Extrakt vor dem Gären enthalten sein müssen. Der Alkoholgehalt eines Bockbieres liegt in der Regel über 6 %. Bei einem Doppelbock sind es zumeist sogar über 7 % und manche Bockbiere, wie der Eisbock, schaffen es sogar, die 10 % Marke zu knacken. Diese Biere sind dann besonders stark eingebraut. Der Eisbock hat bis zu 57 %. Man nennt das Verfahren auch „kalte Destillation“

Es gibt sowohl untergärige als auch obergärige Bockbiere. Die meisten Bock- und Doppelbockbiere sind, wie der größte Teil der Starkbiere, untergärig und werden aus Gerstenmalz gebraut. Seit langem sind aber auch in der obergärigen Variante Weizenbiere als Weizenbock oder Weizendoppelbock auf dem Markt. Die typische Ausprägung dieser Biere ist der malzbetonte, süßliche, daher sehr vollmundige Charakter mit einer dezenten Hopfennote. Geschmacklich entfalten sich ihre Aromen am besten bei einer Trinktemperatur zwischen 8 und 12 Grad Celsius. 

Was heimische Produzenten aus Bockbier machen?