Was passiert, wenn heimischen Erdäpfeln das Wasser ausgeht? Diese Frage stellt sich heuer leider und zeigt wie verletzlich unsere Landwirtschaft geworden ist. 

Kartoffeln

Die heurige Erdäpfelernte fällt klein aus. ©️Pixabay

Die Ernte 2026 wird für Österreichs Erdäpfelbauern zur Bewährungsprobe. Hitze und Trockenheit haben das Knollenwachstum gebremst, vielerorts bleiben die Erdäpfel klein. Während die Bauern um Ertrag und Einkommen kämpfen, dürfte sich die Krise für Konsumenten vor allem bei Preis und Größe bemerkbar machen. Und vielleicht sogar bei der Länge der Pommes.

Wer dieser Tage einen Erdäpfel aus der Erde holt, bekommt einen unmittelbaren Eindruck davon, was dieser außergewöhnliche Sommer mit Österreichs Landwirtschaft gemacht hat. Die Knollen sind da – aber vielfach kleiner als erhofft. Besonders in den trockenen Regionen Ostösterreichs schreitet die Ernte nur langsam voran. Auf nicht bewässerbaren Flächen im Weinviertel wird inzwischen sogar von historisch niedrigen Erträgen berichtet. Dabei sollte gerade in einem schwierigen Erntejahr bewusst werden, welchen Wert heimische Lebensmittel haben. Wenn wir österreichische Erdäpfel kaufen, kaufen wir nicht nur ein Lebensmittel, sondern unterstützen damit auch jene Bauern, die unter zunehmend schwierigen Bedingungen dafür sorgen, dass ein Grundnahrungsmittel aus heimischem Boden auf unseren Tellern landet. Was selbstverständlich wirkt, ist es längst nicht mehr.

Robust aber abhängig

Der Erdäpfel ist robust, vielseitig und für viele Haushalte ein unverzichtbarer Bestandteil der täglichen Ernährung. Doch auch er braucht Wasser. Und wenn dieses Wasser fehlt, wird sichtbar, wie eng unsere Lebensmittelversorgung mit den Bedingungen auf den Feldern verbunden ist. Für uns Konsumenten mag sich die heurige Krise zunächst nur durch kleinere Knollen oder höhere Preise bemerkbar machen. Für die Bauern geht es um weit mehr: um Ertrag, Einkommen und letztlich um die Frage, ob sich der Anbau eines unserer wichtigsten heimischen Grundnahrungsmittel unter den veränderten klimatischen Bedingungen noch wirtschaftlich betreiben lässt.

Die Knollen sind da – aber vielfach kleiner als erhofft. 

Besonders in den trockenen Regionen Ostösterreichs schreitet die Ernte nur langsam voran. Auf nicht bewässerbaren Flächen im Weinviertel wird inzwischen sogar von historisch niedrigen Erträgen berichtet.
Dabei war der Erdäpfelanbau schon vor Beginn dieses außergewöhnlichen Sommers unter Druck. Nach der Rekordernte 2025 mit mehr als 813.000 Tonnen und entsprechend niedrigen Preisen entschieden sich viele Betriebe, heuer weniger anzubauen. Die AMA weist für 2026 insgesamt 18.698 Hektar Kartoffelfläche aus – um elf Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Speisekartoffeln beträgt der Rückgang zehn Prozent, bei Frühkartoffeln sogar 18 Prozent.

Dann kam das Wetter.

Der Sommer 2026 war auch in Österreich außergewöhnlich heiß und trocken. Nach Angaben des Bundesministeriums lag die Durchschnittstemperatur von Juni bis August um 2,7 Grad über dem langjährigen Mittel. Gleichzeitig fiel um 32 Prozent weniger Niederschlag als üblich. Besonders der Osten war vom Niederschlagsdefizit betroffen. Dabei hatte die Trockenheit nicht erst im Juni begonnen: Bereits Winter und Frühjahr waren niederschlagsarm.

Für den Erdapfel ist das eine ungünstige Kombination. Die Pflanze kann zwar Hitze und Trockenheit eine gewisse Zeit überstehen, irgendwann stellt sie das Wachstum der Knollen weitgehend ein. Genau das beobachten die Landwirtschaftskammern heuer auf vielen Feldern. Ende Juli berichtete die LK Österreich, dass zwar Knollen angesetzt worden seien, deren Zuwachs wegen Hitze und Trockenheit aber überschaubar bleibe. 

Im Weinviertel ist die Situation besonders angespannt. Probegrabungen zeigten schon im Juli deutlich unterdurchschnittliche Erträge. Die vorhandenen Knollen blieben klein und entwickelten sich kaum weiter, hieß es aus der Interessengemeinschaft Erdäpfelbau. In besonders trockenen Gebieten wurden damals Rohwarenerträge von vielfach nur 15 bis 20 Tonnen je Hektar erwartet.
Mit dem fehlenden Wasser kommen weitere Probleme hinzu. Trockene Böden begünstigen den Drahtwurmbefall, gleichzeitig steigt bei der Ernte das Risiko, dass die Knollen durch den harten Boden beschädigt werden. Anfang September meldete die Landwirtschaftskammer Niederösterreich zudem, dass auf nicht bewässerbaren Flächen im Weinviertel teilweise nur ein Drittel der üblichen Menge eingebracht werden könne. Das Roden auf ausgetrockneten Böden führe zu vielen mechanischen Beschädigungen.

Auch bei den Preisen hat sich das Bild innerhalb weniger Wochen gedreht. Im Sommer herrschte zunächst noch Angebotsdruck, unter anderem weil die Rekordernte des Vorjahres noch am Markt war. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verändert: Anfang September lagen die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln in Niederösterreich und Oberösterreich meist bei 30 bis 35 Euro je 100 Kilogramm. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es in Niederösterreich lediglich 15 bis 20 Euro.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Erdäpfelversorgung in Österreich zusammenbricht. Die Ernte läuft, und die regionalen Unterschiede sind groß. Bewässerte Flächen schneiden deutlich besser ab als unbewässerte. Auch im Westen und Süden Österreichs ist die Lage teilweise günstiger. Von einer Normalernte kann aber auch dort vielfach nicht gesprochen werden.

Und was bedeutet das alles für den Teller?

Vielleicht zunächst etwas, das nach Luxusproblem klingt: Die Pommes könnten kürzer werden. Große, längliche Erdäpfel sind für lange Pommes besonders gefragt. Bleiben die Knollen kleiner, fällt auch das Ausgangsmaterial für die berühmten langen Stäbchen kleiner aus. Für den Konsumenten ist das wahrscheinlich die harmloseste Nachricht dieses Erdäpfeljahres. Eine Pommes, die ein paar Zentimeter kürzer ist, bleibt schließlich eine Pommes. Für einen Bauern, der statt einer normalen Ernte nur einen Bruchteil der üblichen Menge vom Feld holen kann, sieht die Sache ganz anders aus. Denn hinter der kleinen Knolle steckt heuer eine große Rechnung: weniger Anbaufläche, weniger Ertrag, mehr Bewässerungsaufwand, schwierige Erntebedingungen und höhere Risiken bei Qualität und Vermarktung.

Landwirtschaft im Wandel

Der Erdapfel ist damit ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie schnell sich Landwirtschaft verändern kann. 2025 gab es zu viele Kartoffeln und zu niedrige Preise. 2026 sind die Flächen kleiner – und dann fehlt auch noch das Wasser. Was auf dem Teller am Ende auffällt, ist vielleicht ein etwas kleinerer Erdapfel oder eine etwas kürzere Pommes. Für die Menschen, die ihn anbauen, geht es um weit mehr: darum, ob sich heimischer Erdäpfelanbau unter diesen Bedingungen künftig überhaupt noch rechnet.

Quellenbasis: Agrarmarkt Austria (AMA), Landwirtschaftskammer Österreich und Landwirtschaftskammer Niederösterreich, ORF sowie Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft/APA-OTS, Stand September 2026.
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