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Am Gründonnerstag kommt gern Spinat auf unsere Teller. Der zaubert sogar Seemännern harte Muskeln – aber nicht wegen des darin enthaltenen Eisens.

Mehr als die Hälfte der heimischen Haushalte serviert am Gründonnerstag den Klassiker. ©Gerhard Schmolke/Iglo.

Schon der gute alte Glatzkopf Popey wusste um seine Qualitäten. Waren Superkräfte gefragt, schüttet er sich den Inhalt einer Dose Spinat in den Mund. Allerdings war ihm auch klar, dass nicht das später gern propagierte enthaltene Eisen dazu führt. Vielmehr lässt Erfinder Elzie Segar seinen Helden sogar gleich am Beginn erklären, dass Spinat bei ihm wegen seines hohen Vitamin A-Gehalts auf den Tisch kommt. Und was soll man sagen? Er hat recht. Schon 100 Gramm der grünen Blätter decken den Tagesbedarf. Dagegen kann sich der Eisengehalt mit 2,6 Milligramm auf 100 Gramm verstecken. Und selbst davon kommt kaum was an. Denn Spinat enthält auch Oxalsäure, die das Eisen an sich bindet. Woher die Legende vom Eisenspender kommt?  Vom Schweizer Wissenschaftler Gustav von Bunge, der 1890 den Eisengehalt von 100 Gramm getrocknetem Spinat korrekt mit 35 Milligramm bezifferte. Das Ergebnis wurde allerdings falsch abgeschrieben und auf frischen Spinat übertragen. Dumm gelaufen. Aber auch die Vitalstoffe, die das ursprünglich aus Persien kommende Gemüse wirklich liefert, sind nicht ohne. Ganz vorn steht der Stoffwechsel-Ankurbler Zink, gefolgt von Vitaminen und Beta-Carotin. Er hat kaum Kalorien, fast kein Fett und wenige Kohlehydrate. Deswegen ist er auch Bestandteil von Frühjahrs-Entschlackungskuren. So viel zu Mythos und Realität.

Gründonnerstägliche Spinattiger

Dass in Österreich in mehr als der Hälfte der Haushalte am Gründonnerstag Spinat auf den Tellern liegt, weiß man seit einer neuen Marketgent.com-Umfrage sicher. Letztes Jahr verkaufte Iglo vor Ostern mehr als zwei Millionen Packungen Cremespinat, das waren satte 45 Prozent des jährlichen Spinatumsatzes. Der gründonnerstägliche Liebling erklärt sich da quasi von selbst: Cremespinat mit Spiegelei und Erdäpfeln. Wobei die echten Spinat-Liebhaber bei uns im Süden leben. 75 Prozent der Kärntner essen ihn am Gründonnerstag, 64,1 Prozent der Steirer. Im Westen schlägt die grüne Liebe dagegen nicht einmal bei jedem Dritten zu.

Frischer Spinat wird bei uns von März bis Dezember angeboten. ©Unsplash/Heather Gill

Sie persönlich können dem Klassiker nichts abgewinnen? Spinat macht sich auch roh im Salat gut, als Smoothie, mit Käse überbacken, in der Pasta oder der Lasagne und als Beilage zu Fisch und Fleisch. Salz, Pfeffer und Muskat bekommt ihm, Zwiebeln und Knoblauch auch. Er hat sogar das Zeug zum Fast Food. Wenn man in nur kurz mit Butter, Zwiebeln, Knoblauch und Salz anbrät, dauert das keine fünf Minuten. Aber egal wie sie ihn zubereiten, wesentlich ist das Waschen des frischen Spinats. Er ist oft sandig.

Vom Frühlings- und Herbstspinat

Spinat gibt es von März bis Dezember als Blatt- oder Wurzelspinat. Was die beiden unterscheidet? Beim einen werden nur die feinen Blätter gepflückt, beim anderen die ganze Pflanze mit Wurzelansatz. Im Frühjahr spricht man gern vom besonders zarten Babyspinat, der auch roh mit Stielen gut schmeckt. Im Herbst- und Winter ist der Spinat robuster, die Blätter kräftiger und der Geschmack herber und würziger. Dünsten ist in diesem Fall eine gute Wahl. Bleibt etwas übrig, schmeißen Sie es bitte nicht weg. Dass man ein Spinatgericht nicht mehr aufwärmen darf, auch das ist ein Mythos, und zwar aus einer Zeit ohne Kühlschränke. Wer den Spinat schnell auskühlen lässt und ihn in einem geschlossenen Tiegel im Kühlschrank lagert, kann ihn auch wieder aufwärmen. Bleibt nur noch Frage nach dem Grün des Donnerstags zu klären. Das hat mit der Farbe nämlich rein gar nichts zu tun. Der Name kommt vom „greinen“. Am Gründonnerstag wurden jene Büßer, die auch als „Weinende“ bezeichnet wurden, wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen. Weil die Sache mit den grünen Kräutern und dem Gemüse aber irgendwie netter klingt, hat sie sich offenbar in den Köpfen verankert.