Rotes Fleisch und Wurst ist ungesund. Stimmt nicht, sagt jetzt ein Forscherteam nach Auswertung zahlreicher Studien. Die neue Devise: konsumiert wie bisher.

Können Fleischtiger durchatmen? Ist rotes Fleisch gar nicht so ungesund, wie bisher angenommen? ©Panthermedia

Manchmal geht die Reise von Pfui nach Hui ganz schnell. Bisher glaubten wir, dass rotes Fleisch und Wurstwaren krebserregend sind, Infarkten und Diabetes Vorschub leisten und die Sterblichkeit erhöhen. Extrawurst, Salami und Co. wurde uns empfohlen, ganz vom Ernährungsplan zu streichen. Rotes Fleisch sollten wir so gut wie möglich begrenzen. Glaubwürdig war’s auch noch, kamen die Informationen doch von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Jetzt erteilt ein Forscherteam aus sieben Ländern aber genau diesen Lebensmitteln ebenso glaubwürdig die Absolution. Gut, das passiert jetzt nicht das erste Mal, dass als riskant eingestufte Nahrung plötzlich das Label unbedenklich verliehen wird. Denken wir nur an Butter oder Eier, die ewig verpönt waren und heute wieder voll rehabilitiert sind. Sie erinnern sich, da ging es um das böse Cholesterin. Vollmilch und Käse teilen dieses Schicksal übrigens. Auch sie wurden wieder etabliert.

“Am gewohnten Fleischkonsum festhalten”

Wer genau wirft diesmal die Ernährungsempfehlungen über den Haufen? NutriRECS (Nutritional Recommendations Consortium), ein Zusammenschluss von Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftern aus sieben Ländern. Sie haben zahlreiche Studien ausgewertet – Metaanalyse nennt sich das, und sind zum Schluss gekommen: Alles gut, konsumiert rotes Fleisch und Wurst weiter wie bisher. Das hieße, drei bis viermal in der Woche rotes Fleisch zu essen. Denn das tun Nordamerikaner und Europäer im Schnitt. Veröffentlicht haben sie ihre neuen Erkenntnisse in der durchaus renommierten Fachzeitschrift “Annals of Internal Medicine”. Dort kann man nachlesen, dass alle Studien zusammengefasst zu dem Ergebnis kommen, dass Menschen nur etwas seltener an Krebs, Diabetes oder Herzkreislauferkrankungen erkranken oder sterben, wenn sie weniger rotes oder verarbeitetes Fleisch essen. Zudem lieferten die Ergebnisse keinen eindeutigen Beweis für einen Zusammenhang der Erkrankungen mit dem Fleischkonsum, sagte der Epidemiologie-Professor Bradley Johnston. Und er fügt hinzu: “Vielleicht lässt sich das Risiko minimieren, vielleicht auch nicht.” Die bisherigen Empfehlungen will das Forscher-Team bewusst aufbrechen. Johnsten sagt, sie seien “Alte Schule”.

“Wir wollen den Menschen helfen, wohlinformierte eigene Entscheidungen zu treffen, statt sich ihre Ernährungsweisen von Organisationen vorschreiben zu lassen.”

Naturgemäß gefallen solche Empfehlungen nicht allen. So hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der WHO, unlängst dieselben Studien begutachtet, war allerdings zu einem anderen Schluss gelangt. Und Marji McCullough von der American Cancer Society” sagt: “Das ist so, als würden wir sagen: ‘Wir wissen, dass Fahrradhelme Leben retten können, aber manche Radfahrer ziehen es vor, den Wind in ihren Haaren zu spüren.” Tatsächlich hätten nur wenige Radfahrer Unfälle, fügte sie hinzu: “Aber trotzdem sind sich alle einig, dass man Helme tragen sollte.” Auch die Krebsvorsorgeorganisation World Cancer Research Fund erklärte, man werde die bisherigen Ratschläge beibehalten: “Wir vertrauen weiterhin den seit 30 Jahren vorgenommenen Forschungen”, so Giota Mitrou.

“Man muss ehrlich sein”

Von anderen Ecken kommt Zustimmung. Medizin-Professor John Ioannidis, der an der Elite-Uni Stanford lehrt, begrüßte die neuen Empfehlungen. Man müsse ehrlich sein, wenn die bisherigen Beweise “von minderer Qualität sind”, konstatierte er. Und gibt den Menschen noch etwas mit, worüber man nachdenken könnte:

Die jahrelange Fixierung auf “gute und schlechte Lebensmittel hat uns von einfacheren und wichtigeren Botschaften abgelenkt, wie etwa die Notwendigkeit, sich zu mäßigen und nicht fettleibig zu werden”.

Aber wie kann es eigentlich überhaupt zu solchen Widersprüchen bei Ernährungsempfehlungen kommen.Vor allem, wo doch alle die selben Daten interpretieren? Christian Wolfrum von der ETH Zürich, weiß, wie das zustande kommt: “Die Art und Weise, wie die Studien ausgewertet wurden, sind sehr unterschiedlich. Bisher wurden die einzelnen Studien begutachtet und anschliessend ein Konsensdokument verfasst. Die Autoren der neuen Untersuchungen haben dagegen alle Studien gemeinsam analysiert.” Wolfrum hält letzteres, die Metananylse, übrigens für den besseren Ansatz.  “Da kann im Grunde jeder nachrechnen, ob die Resultate stimmen.” Bei der Einschätzung von Expertengremien sei das nicht der Fall. Und noch einer hat dazu etwas zu sagen: Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.  Er sagt: “Die Aussagen der internationalen Agentur für Krebsforschung in der Öffentlichkeit sind teilweise überspitzt oder auch missverständlich formuliert worden.” Manche hätten sogar den Eindruck erweckt, dass rotes Fleisch zu essen so gefährlich sei, wie rauchen. Das stimme natürlich nicht.

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