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Unsere Kuhweiden könnten bald voll mit Blühpflanzen sein, die einen hohen Nährwert für Kühe haben und unwiderstehlich für Bienen und Co. sind.

Wäre man ein Insekt, hätte man dieser Tage nicht viel zu lachen. Die kleinen Tierchen rafft es weltweit nur so dahin. Mit 41 Prozent liegt der vom Aussterben bedrohte Anteil doppelt so hoch wie bei den Wirbeltieren. Schuld daran sind die seit sechs Jahrzehnten praktizierte intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und die Zerstörung von Lebensraum. Das ist doch nur ein überzeichnetes Negativszenario? Leider nicht. Zuletzt sank die Biodiversität der Insekten binnen zehn Jahren um 25 Prozent, sagt Insekten-Experte Francisco Sánchez-Bayo. Geht es so weiter, sind sie in hundert Jahren völlig verschwunden. Fledermäuse, Igel und Vögel finden dann keine Nahrung mehr. Das Vogelsterben hat bereits begonnen. Hierzulande leben nur noch halb so viele Feldlerchen wie noch vor wenigen Jahren. Und es gibt kaum mehr Kiebitze und Ortolane. Mal ganz abgesehen davon, dass die fehlende Bestäubung durch Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge oder Schwebfliegen fatale Folgen hat. Kaffee, Äpfel, Mandeln, Paradeiser oder Kakao können wir uns dann aufzeichnen. Denn diese Pflanzenkulturen werden ausgelöscht. Darauf machte FAO Direktor Graziano da Silvia bereits im Mai aufmerksam. Doch wie gegensteuern und den Morgenkaffee noch retten?

Viel mehr Blühpflanzen als Rettungsanker

Biologe Dirk Albach von der Universität Oldenburg hätte da eine Idee, wie man mehr Insekten auf unsere Äcker und Weiden bringen und den wichtigen Wirtschaftsfaktor Bestäubung sichern könnte. Man müsste eigentlich nur ein spezielles Saatgut entwickeln, das viele Blühpflanzen auf landwirtschaftliche Flächen bringt, aber für die Kühe den gleichen Nährwert bietet. Tatsächlich ist es nicht bei der Idee geblieben. Zwischenzeitlich ist daraus nämlich das Ziel eines EU-Projekts namens “Beespoke” geworden. In dem soll herausgefunden werden, wie landwirtschaftliche Flächen insektenfreundlicher werden können, ohne dass der Ertrag abnimmt, sagte Albach. Wie weit man damit ist? “Wir sind jetzt dran, mit den Saatgutunternehmen die speziellen Saatgutmischungen zusammenzustellen”, so der Forscher. Gelingt das Unterfangen, würde die Zahl der Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge wieder zunehmen. Denn vor allem der Mangel an Blühpflanzen macht ihnen zu schaffen. Rund 70 Feldversuche für verschiedenste Nutzpflanzen führt man gerade auf 20 Hektar Weidefläche durch. Was untersucht man genau? „Beispielsweise, welchen Einfluss ein Schnitt pro Jahr mehr oder weniger hat, oder wie sich die genetische Vielfalt der Pflanzenarten im Grünland auf die Bestäuber auswirkt“, sagt Albach. Im besten Fall soll dieser Ansatz Bauern bald ermöglichen, belastbare und nachhaltigere Agrar-Ökosysteme zu schaffen und dabei ganz nebenbei das Überleben der Bestäuber zu sichern. Projektkoordinator John Holland vom Game & Wildlife Conservation Trust ist jedenfalls guter Dinge: “Wir werden eng mit den Landwirten zusammenarbeiten, um Lösungen zu entwickeln, die nicht nur den Insekten helfen, sondern auch den Bauern.”

Beespoke An dem EU-Projekt sind  insgesamt 16 Partner aus sechs Nordsee-Anrainerstaaten beteiligt. Die Leitung liegt demnach beim britischen Game & Wildlife Conservation Trust. Das Programm wird vom European Regional Development Fund (ERDF) der  Europäischen Union mit 4,1 Millionen Euro gefördert.

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