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Das AMA-Gütesiegel ist das bekannteste und meistbeworbene hierzulande. Doch was steckt dahinter? Und warum kritisieren es gleich mehrere NGOs?

Beim AMA-Gütesiegel  gibt es eine Herkunftsregelung (Geburt, Mast, Schlachtung und Verarbeitung in Österreich). ©AMA

Haben Sie schon mal ein Bananenjoghurt gegessen, auf dem das populäre heimische AMA-Gütesiegel prangt? Nein? Die Rohstoffe für AMA-Produkte müssen doch aus Österreich stammen? Nicht unbedingt. Es gibt ein Hintertürchen. Zutaten, die hierzulande nicht erzeugt werden, dürfen nämlich aus Ausland kommen, wenn sie nicht mehr als ein Drittel des Produkts ausmachen. Bananenjoghurt ist so ein Klassiker. Das ist die ungeschminkte Wahrheit. Und dann gibt es noch eine Menge Mythen rund um das beliebte Siegel. Beispielsweise, dass auch Fleisch von ausländischen Tieren das Siegel tragen kann. Das ist nicht wahr. Tatsächlich müssen die Tiere in Österreich geboren, gemästet, geschlachtet und zerlegt werden, um es zu erhalten. Wurst & Co. müssen auch in Österreich hergestellt sein und den Qualitätskriterien des Österreichischen Lebensmittelbuches (Codex) entsprechen. Darüber hinaus kann man sich beim Einverleiben eines AMA-Würstels sicher sein, dass kein Mehl, keine Stärke oder ähnliche technologisch wirkende Stoffe drin sind. Seperatorenfleisch (Anm.: wird aus Restfleisch gewonnen, das Schlachtknochen nach dem Entbeinen noch anhaftet) oder Lebensmittelimitate wie Analogkäse sind ebenfalls tabu.

Das AMA-Gütesiegel

wird von der öffentlich-rechtlichen Agrarmarkt-Austria verwaltet und kontrolliert. Mit dem Label können Lebensmittel ausgezeichnet werden, die qualitativ die gesetzlichen Vorgaben übertreffen und deren Herkunft konkret nachvollziehbar ist. Die Richtlinien für die Vergabe müssen vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus genehmigt werden. Ihre Einhaltung wird von unabhängigen, staatlich akkreditierten Kontrollstellen und Labors sowie durch Überkontrollen sichergestellt.

Aber  da war doch noch etwas mit dem Fleisch? Stimmt. Genauer gesagt mit den Futtermitteln der Tiere, deren Fleisch später das AMA Gütesiegel trägt. Und damit sind wir auch schon beim Knackpunkt. Das Futter darf nämlich gentechnisch verändert sein (GVO); Dabei geht es hauptsächlich um gentechnisch veränderten Sojaschrot im Schweinemastbereich, aber auch die Rindermast ist noch nicht GVO-frei in der Fütterung. Bei  Legehennen (Eier), Masthendln (Fleisch) und Milchkühen wird kein Gentech-Futter mehr eingesetzt. Dass erst im Juni 96 Prozent der Österreicher sich bei einer Greenpeace-Umfrage gegen diese Praxis aussprachen, ist zur den Verantwortlichen bei der Agrarmarkt Austria Marketing (AMA-Marketing) wohl durchgedrungen, hat aber bis dato nichts verändert. Obst und Gemüse sowie Kartoffeln aus Österreich seien ohnehin ausnahmslos frei von Gentechnik. Und GVO-freies Futter sei nicht zu marktadäquaten Preisen verfügbar. Man biete aber die Möglichkeit einer freiwilligen Auslobung auf den Produkten, so einer der 1.800 Schweinehalter im Programm doch darauf verzichtet. Der Mehrpreis, der über den Markt erlöst werden muss, bereite aber vielen Betrieben Kopfzerbrechen. 2018 bestätigte ein Test beim Umweltbundesamt übrigens, dass  90 Prozent des Futters, das AMA-Schweine fressen, aus transgenem Soja besteht. Futtermittel aus der Negativliste wie etwa Fischmehl sind beim AMA-Gütesiegel allerdings verboten. Und auch für Lebensmittel, die GVO enthalten oder daraus bestehen, gibt es kein AMA-Gütesiegel. Alles etwas kompliziert? Da haben Sie recht. Und es wird noch komplizierter. In der zitierten Umfrage, glaubten nämlich 64 Prozent der Befragten, dass das staatliche Gütesiegel bereits jetzt eine Garantie für Gentechnikfreiheit bei Futtermitteln sei. Das ist es definitiv nicht. Ob Gentechnik-Futtermittel im Einsatz waren oder nicht, ist auf den Verpackungen nicht erkennbar. Die NGOs Global  2000 und Südwind haben das AMA-Gütesiegel 2017 überprüft und für eher mangelhaft befunden. Neben dem GVO-Futter bemängelten sie, das das Label nur einige wenige Ansprüche an die gute landwirtschaftliche Praxis setze. “Kriterien beziehen sich jedoch hauptsächlich auf Verarbeitungs- und Hygienevorschriften”. Vor allem der Anspruch bezüglich der Kriterien “Umwelt”, “Soziales” und “Tierwohl” wurden als “Gering” eingestuft.

Global 2000 und Südwind verglichen 2017 das  AMA-Gütesiegel mit dem AMA-Bio-Gütesiegel.

Was gibt es noch zu sagen? Das AMA-Gütesiegel besitzt eine Art Alleinstellung. Die Richtlinien dafür werden in Fachgremien aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und aus der AMA-Marketing beschlossen und dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus zur Genehmigung vorgelegt. Ihre Einhaltung kontrollieren unabhängige, staatlich akkreditierte Kontrollstellen und Labors. Sie sind auf der Website www.ama-marketing.at öffentlich zugänglich. In der Regel werden frische Lebensmittel mit diesem Label gekennzeichnet, aber auch verarbeitete Produkte wie Speiseöl, Bier, Tiefkühl-Gemüse, Pommes, Brot & Gebäck, Fruchtsäfte oder Honig finden sich.

Wer ist dabei, und wie oft wird kontrolliert?

Rund 47.000 landwirtschaftliche Erzeuger nehmen an den einzelnen Programmen teil, davon rund 32.000 Milchviehhalter, 5000 Rinderhalter, 1800 Schweinehalter, 700 Legehennenhalter, 400 Masthendl- und Putenhalter, 1500 Obst-, Gemüse- und Kartoffelproduzenten. Rund 700 Lizenznehmer zeichnen ihre Produkte mit dem AMA-Gütesiegel aus. Kontrollen gibt es reichlich. Ca. 10.000 Vor-Ort-Kontrollen, davon alleine rund 2.000 auf Schlacht- und Zerlegebetrieben und im Lebensmittelhandel. Jährlich werden außerdem rund 5.000 Analysen wie Produktanalysen, Harn- und Kotproben, Blatt- und Fruchtproben durchgeführt. Selbst spricht man von rund 40 Kontrollen pro Arbeitstag. Wie die lückenlose Rückverfolgung garantiert wird? Bei Rindern so: Auf dem Viehverkehrsschein wird die Ohrmarkennummer jedes einzelnen Tieres und im Feld Geburt und Mast „AT“ für Österreich eingetragen. Die Angaben werden mithilfe der Rinderdatenbank stichprobenartig überprüft. Im Schlachthof kontrolliert der unabhängige Klassifizierer dann, ob die Angaben zusammenpassen. Die österreichische Herkunft wird mit Schlachtkörperetiketten auf das geschlachtete Tier übertragen. Im Zerlegebetrieb werden die einzelnen Chargen mit Nummern gekennzeichnet. So ist die Herkunft des Fleisches bis zur Theke eindeutig nachvollziehbar. Sie haben noch immer Fragen? Die AMA beantwortet sie hier: https://amainfo.at/ama-themen/fragdieama/

Bauernladen.at-Check: AMA Gütesiegel

✔ Kriterien für zertifizierte Lebensmittel sind strenger als die gesetzlichen Vorgaben

✔ Das Label wird von der öffentlich-rechtlichen Agrarmarkt Austria verwaltet und kontrolliert

✔ Das Fleisch stammt von Tieren, die in Österreich geboren, aufgezogen und geschlachtet werden

✔ 47.000 landwirtschaftliche Erzeuger  sind dabei, davon rund 32.000 Milchviehhalter, 5000 Rinderhalter, 1800 Schweinehalter, 700 Legehennenhalter, 400 Masthuhn- und Putenhalter sowie 1500 Obst-, Gemüse- und Kartoffelproduzenten. Rund 800 Lizenznehmer dürfen ihre Produkte mit dem AMA-Gütesiegel auszeichnen. Insgesamt tragen 3000 Produkte quer über alle Produktbereiche das AMA-Gütesiegel

✔ Nachvollziehbare Herkunft – wertbestimmende Rohstoffe müssen zu 100 % aus Österreich sein.

✗ Gentechnisch verändertes Futter ist erlaubt (z.B. Sojaschrot bei Schweinen)

✗ Bei verarbeiteten Produkten kann bis zu einem Drittel der Zutaten aus dem Ausland sein, wenn diese in Österreich nicht angebaut werden (zb. Bananen im Bananenjoghurt)

✗ Die NGOs Global 2000 und Südwind stuften den Anspruch des Labels in den Bereichen “Umwelt”, “Soziales” und “Tierwohl” 2017 als “Gering” ein.

✗ Das AMA-Gütesiegel ist nicht “Bio”, es gibt aber auch ein eigenes AMA-Biosiegel.

In Kürze beschäftigen wir uns an dieser Stelle mit dem AMA-Biosiegel.

„Wir wollen wissen wo es herkommt“