Haben wir nun genug Äpfel für Saft, oder nicht? Wenn es um ausländische Äpfel in österreichischem Apfelsaft geht, prallen weiter die Meinungen aufeinander.

Apfelsaft: ist in seiner Herstellung viel komplizierter als man denkt! ©Panthermedia

In den sauren Apfel beißen will niemand. Pressen und trinken lässt er sich dagegen bestens. Aber natürlich nur, wenn er nicht zu unreif ist. Dann enthält er nämlich zu viel Stärke und hat ein grasiges Aroma. Und das schmeckt keinem. In der Fachsprache spricht man von “sensorisch Leer”, wenn es um solche Äpfel geht. Zu reif darf er zum Pressen aber auch nicht sein. Dann ist er zu weich und der Saft daraus wird zu trüb. Sie sehen schon, es ist frei nach Fred Sinowatz “Alles sehr kompliziert”, wenn es um Apfelsaft geht. Dazu sorgen die immer heißeren Sommer für noch mehr Süße der Früchte. Und dann steigt auch noch der Anteil an säurearmen heimischen Tafeläpfeln. Tafeläpfel, das sind solche zum frisch Essen, beispielsweise “Gala” oder “Golden Delicious”. Und in die muss man nur mal reinbeißen, um zu wissen, worum es geht. So etwas wie Säure scheint an diesen Sorten wirklich völlig vorübergegangen zu sein.

Aber haben wir nun genug saure Äpfel, um daraus Saft zu machen?

Ja, wenn man den heimischen Obstbauern glaubt. Manfred Gsellmann, Obstbaureferent der Landwirtschaftskammer in Güssing sprach 2018 vor allem beim Streuobst sogar von einem Rekordjahr. “Viele Äste brachen unter dem Gewicht der Äpfel ab, nicht wenige Bäume brachen als Ganzes zusammen.

Wie wird aus Äpfeln überhaupt Apfelsaft?

Dafür braucht es eine Menge Technik: Zuerst werden Äpfel gewaschen und dann in einer Mühle  samt Schale und Kern zu Maische gemahlen. Damit man mehr Saft erhält, werden Enzyme zugesetzt, die die Zellwände auflösen. Am Ende ergeben 1,5 Kilo etwa einen Liter Saft. Zuhause braucht man vier Kilo für die selbe Saftausbeute. Ein Viertel des zermahlenen Apfels wird zu Tierfutter, weil er nicht anders verwertbar ist. Jeder gepresste Saft ist naturtrüb. Klar wird er durch Filtern und Schleudern. Die EU-Fruchtsaftrichtlinie  verbietet die Zugabe von Farbstoffen und Konservierungsmitteln.

Selbst ältere Obstbauern erzählten, dass sie so etwas bei uns noch nicht erlebt haben.” In der Steiermark sorgte das Überangebot des Vorjahrs für noch immer volle Lager und Preisdruck: Ein großer Teil der Apfelbestände ging sogar zu Dumping-Preisen in die Saftindustrie. Gerade einmal sieben bis acht Cent gibt es für ein Kilo Pressobst, muss man dabei wissen. Ganz anders sieht die Sache Katharina Koßdorff vom Fachverband der Lebensmittelindustrie. Sie sagt, nein, wir haben nicht genug Äpfel: “Für eine gleichmäßige und garantierte Inlandsversorgung reichen weder die Inlandsmengen noch ‑qualitäten.” Und fügt hinzu: “Der Selbstversorgungsgrad bei Äpfeln lag in den letzten zwei Wirtschaftsjahren zwischen 59 und 85 Prozent, der bei Obst gesamt zwischen 27 und 40 Prozent.” Wobei 2018 allein 58.400 Tonnen Äpfel für den Frischmarkt exportiert und  38.700 Tonnen importiert wurden. Das darf man seltsam finden. Oder von einer  “Positiven Außenhandelsbilanz” sprechen. Auch dass die heimischen Apfelbauern, deren Produktionskosten bei einer Vollernte von 60.000 Kilo Äpfeln pro Hektar bei 45 Cent pro Kilo liegen, oft nur 20 Cent erhalten, mutet nicht fair an. Noch weniger, wenn man weiß, dass 800 und 1.000 Stunden Handarbeit pro Hektar Anbaufläche anfallen. Aber zurück zum Pressobst. Mit dem schaut’s zahlenmäßig noch schlechter aus:

“Nur 10 bis 15 Prozent des in Österreich verarbeiteten Pressobstes stammen aus Österreich.”

Rund 77.000 Tonnen Mostäpfel wurden im Herbst 2018 zusätzlich für die Weiterverarbeitung importiert. Und die landen dann in “österreichischem Apfelsaft”, und zwar ohne Deklaration. Sie erinnern sich, beim letzten Storecheck der Landwirtschaftskammer kam heraus, dass die Hersteller bei fast zwei Drittel der Testprodukte (60 Prozent) die Herkunft der Äpfel verschweigen. Dürfen die das denn? Ja, dürfen sie.  Die Angabe der Herkunft des Apfels auf einem Apfelsaft ist EU-weit nicht geregelt und daher auch nicht verpflichtend. Freiwillige Angaben machen meist nur kleine, regionale Unternehmen.

Herkunft? Nach wie vor Multikulti

Der Fachverband blockt. Er lehnt jede weitere Forderung nach einer zusätzlich verpflichtenden Herkunftskennzeichnung auf nationaler Ebene als “nicht notwendig” entschieden ab. Das Argument ist immer dasselbe: Die heimischen Verarbeiter würden gegenüber allen anderen EU-Verarbeitern schlechter gestellt werden. Tut die EU was? Ja. Ab 1. April 2020 gibt es eine EU-weite Kennzeichnungspflicht der Herkunft der primären Zutat in Lebensmitteln. Konkret bedeutet das, dass ein Hersteller von „österreichischem Apfelsaft“, der die Äpfel nicht aus Österreich bezieht, das auf der Verpackung verbindlich angeben muss.

Auf Apfelsaftpackungen kann man ab April 2020 zum Beispiel lesen: „Österreichischer Apfelsaft mit Äpfeln aus Österreich, Italien und Ungarn”.

Ganz anders sieht die Sache übrigens bei Bio-Äpfeln aus. Es gibt weniger davon und die Preise sind höher, eine Kennzeichnung bereits EU-weit einheitlich geregelt. Wer sich einen Bio-Apfelsaft einschenkt, weiß also bereits jetzt, was drin ist, weil’s drauf stehen muss.

Die gute Nachricht: Auf Bauernladen.at finden Sie Apfelsaft, für den garantiert nur österreichische Äpfel verarbeitet wurden. Denn auch „Wir wollen wissen wo es herkommt“

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