Es gibt genug davon. Aber kaum ein österreichischer Apfel findet in mittelpreisige, handelsübliche Apfelsäfte. Das zeigt der neue Storecheck der Landwirtschaftskammer.

Bei weitem nicht jede Flasche, die gut ausschaut, enthält auch Saft aus österreichischen Äpfeln. Diese schon. ©L-Musch

Augen auf beim Apfelsaft-Kauf, auch wenn Ihnen die rot-weiß-rote Fahne ganz groß vorn auf der Verpackung entgegenlacht. Das heißt nämlich gar nichts. Und am allerwenigsten, dass der Inhalt österreichischer Natur ist. Das bestätigt der heute publizierte Store-Check der Landwirtschaftskammer zum Thema. Da kam nämlich bei fast zwei Drittel der Testprodukte  (60 Prozent) zutage, dass die Hersteller den Verbrauchern die Herkunft der Äpfel verschweigen. Oder um in Werner Brugners Worten zu sprechen: „Bei der Herkunft der Äpfel in Apfelsäften tappen die Konsumenten häufig im Dunkeln”. Brugner ist Direktor der Landwirtschaftskammer der Steiermark und sagt weiter: “Wer glaubt, im Apfelland Steiermark sind im Großteil der angebotenen Apfelsäfte auch heimische Äpfel drinnen, der irrt.” Den Grund dafür meint er auch zu kennen: Es würden mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit kaum heimische Äpfel verwendet.

168 Proben und die totale Enttäuschung

33 Mal zogen die Tester von Ende Februar bis Ende Juli los, um 168 Proben zu ziehen und dann auf die Herkunft der Rohwaren zu untersuchen. Auf den Preis ließ man es dabei nicht ankommen. Es gab drei Kategorien. Von 0,78 bis 1 Euro, von 1,01 Euro bis 2 Euro und mehr als 2 Euro. Was fand sich da so? Beispielsweise die Österreichfahne. Die wehte auf 29 der 168 Produkte, also auf 17 Prozent – gern untertitelt mit „hergestellt in Österreich“ oder „abgefüllt in Österreich“. Das tatsächliche Herkunftsland der Äpfel sucht man dann allerdings im Kleingedruckten vergeblich. Brugner geht das naturgemäß gegen den Strich. Er hält diese Praxis für Verbrauchertäuschung und wird die Erkenntnisse dem Schutzverband gegen unlauteren Wettbewerb zur weiteren Bearbeitung übergeben. Tatsächlich wird der Löwenanteil der Säfte aus eingedicktem Konzentrat internationaler Herkunft hergestellt.

Dicke Täuschung

Besonders krass fielen die beiden Preissegmente zwischen 0,78 und 2 Euro pro Liter Apfelsaft auf, in die 131 der 168 untersuchten Säfte fallen. Satte 60 Prozent dieser Säfte (79 Proben) werden aus einem Apfelsaft-Konzentrat hergestellt. Doch was heißt das überhaupt? Um ein Konzentrat zu erhalten, wird der gepresste Apfelsaft erst unter hohem Energieaufwand eingedickt und dann mit Wasser wieder rückverdünnt. Wer tut das? International an vorderster Front China. In Europa liefert Polen das meiste Apfelsaftkonzentrat. Findet sich also die Angabe “aus Apfelsaftkonzentrat”, die übrigens verpflichtend ist, kann man demnach selbst einen Rückschluss darauf ziehen, woher die Äpfel stammen.

Großer Lichtblick und keine offenen Fragen

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. 34 der 37 Säfte, die über zwei Euro kosteten, enthielten nur Äpfel aus Österreich. Es fand sich eine klare Herkunftsangabe und alle Säfte waren Direktsäfte. Wenn es noch hochwertiger sein darf, ist Bio die beste Wahl. Denn nur dieser Bereich lässt keine Fragen offen. Weil eine Deklarationspflicht besteht, sieht man sofort, ob der Apfelsaft Äpfel aus Österreich, aus der EU oder aus Drittstaaten (Nicht-EU) enthält. Das stimmt auch Brugner milde. „Unser Herkunftstest zeigt, dass dies bei den Bioapfelsäften gelebte Praxis ist.” Tatsächlich kamen bei 16 der 25 Biosäfte die Äpfel aus Österreich, bei neun aus der EU. Alle Biosäfte waren korrekt deklariert. “Weil die Kennzeichnung bei Bioapfelsäften vorbildlich funktioniert, ist sie auch auch auf konventionelle Apfelsäfte gut übertragbar“, fordert Brugner. Derzeit ist da die Angabe des Herkunftslandes von Äpfeln für die Saftherstellung freiwillig.

Der Saftapfel-Preis ist nicht gerade heiß

Und weil wir schon bei Kritik sind, da hat auch Herbert Muster, Geschäftsführer der Erwerbsobstbauern, noch etwas beizutragen. Der meint, die heimischen Bauern brauchen bessere Saftapfelpreise: „Die Industrie zahlte den Bauern im Schnitt der vergangenen zehn Jahre für ihre Saftäpfel nicht einmal die Produktionskosten“, so Muster. Wie wirken sich höhere Saftapfelpreise auf den Apfelsaft-Endverbraucherpreis aus? Nur marginal, sagt Muster: „15 Cent mehr für einen Kilo Saftapfel erhöht den Apfelsaftpreis pro Liter nur um 20 Cent.“ Das sei  ein kleiner Wert für eine große Wirkung: „Wegen der katastrophalen Saftapfelpreise der vergangenen Jahre werden viele landschaftsprägende Streuobstwiesen nicht mehr gepflegt, sie verwildern oder verschwinden.” Heißt im Umkehrschluss? Ein fairer Saftapfelpreis und der Griff zu Apfelsaft aus heimischen Äpfeln kann Streuobstwiesen retten. Und das wiederum ist gut für die Landschaft, für’s Klima und für die Menschen.

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Der Apfelsaft-Dschungel

Direktsaft. Ist der reine, abgefüllte Apfelsaft, der durch Erhitzen haltbar gemacht ist.
Apfelsaftkonzentrat. Dabei wird der frisch gepresste Apfelsaft unter hohem Energieaufwand durch Abdampfen von Wasser eingedickt, zurück bleibt eine klebrige,
süß-säuerliche Masse. Dieses Konzentrat, häufig aus China, wird später wieder rückverdünnt und abgefüllt.
Apfelsaft. Ist ein 100-prozentig reiner Fruchtsaft aus Äpfeln, der haltbar gemacht wird – ohne Konservierungs- und Farbstoffe, Zucker und Aromen.
Apfelgetränk. Ein Apfelgetränk muss nur 30 Prozent Apfelsaft enthalten. Es dürfen Wasser, Zucker und Aromastoffe zugesetzt werden.