Ein Fünftel weniger Fleisch konsumieren und Nahrungsmittelabfälle vermeiden. So einfach würden sich Soja und Palmöl-Importe von selbst erledigen.

Ein Fünftel weniger Fleisch müssten wir in Österreich essen, dann bräuchte es keine Sojaimporte mehr. © Panthermedia

Den Fleischtiger in sich zu zähmen und nicht so viele Lebensmittel wegzuschmeißen, das könnte viel mehr bewegen, als wir alle glauben. Beispielsweise könnten wir dann auf die Importe von jährlich 500.000 Tonnen an Sojafuttermittel und 158.400 Tonnen Palmöl verzichten. Berechnet haben das gerade Forscher der Universität für Bodenkultur (Boku). Warum diese Importe so umstritten sind? Weil sie zum größten Teil aus Brasilien und Argentinien bzw. aus Indonesien sowie Malaysia stammen. Das verursacht nicht nur Unmengen Treibhausgasemissionen. Tropenwälder werden abgeholzt, Kleinbauern verdrängt, es passiert Landraub, der Lebensraum bedrohter Tiere wie des Sumatra-Tigers und der Orang Utans wird zerstört. Das alles sollte uns deshalb interessieren, weil diese verheerenden ökologischen Probleme eine globale Dimension haben. Immerhin werden 10 bis 20 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen durch Entwaldung verursacht. Warum aber brauchen wir Soja und Palmöl überhaupt in Österreich? Ersteres wegen des Eiweißes, das die Nutztiere brauchen. Zweiteres zur Produktion von Agrotreibstoffen (70 Prozent), Kosmetika, Waschmittel und Nahrungsmittel. Unabhängig davon zu werden, wäre nicht die schlechteste Idee. Doch wie? Das hat sich auch das FiBL gefragt und Martin Schlatzer und Thomas Lindenthal vom Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der Universität für Bodenkultur (Boku) damit beauftragt, es herauszufinden.

Weniger Fleischkonsum würde Sojaimporte obsolet machen

Die beiden Forscher gingen zur Sache und was sie jetzt präsentierten, sollte nachdenklich stimmen. Österreich könnte sich Sojaimporte  nämlich tatsächlich völlig ersparen. Und es braucht gar nicht viel dazu. Wir müssten es nur schaffen, ein Fünftel weniger Fleisch zu essen, erläutert Schlatzer. Würden wir das tun, hätte man plötzlich eine Fläche so groß wie das halbe Burgenland frei zur Verfügung. 197.000 Hektar sind das.

Wenn wir um 13 Prozent weniger Fleisch essen:

  • Ergibt sich eine eingesparte Fläche von ca. 122.000 Hektar. Diese Fläche resultiert daraus, dass um drei Viertel weniger an Soja, Mais oder anderen Kraft-/Eiweißfuttermitteln für die Produktion von Rinder-, Schweine und Hühnerfleisch angebaut werden muss.
  • Diese Fläche entspricht recht genau der Fläche, die für den kompletten Ersatz von Palmöl durch Raps und Sonnenblume (jeweils zur Hälfte) nötig wäre, das sind 121.300 Hektar.

Weil Soja hierzulande glücklicher Weise gut gedeiht, könnte man es da anbauen und den Bedarf an Sojafuttermitteln damit decken. Dass wir ohnehin dreimal zu viel Fleisch essen, wie Experten immer wieder betonen, und der Körper dabei nicht unbedingt Hurra schreit, sollte die Sache leichter machen. Wie viel an Treibgas man durch regional angebautes Soja einsparen würde? Ganze 1,4 Millionen Tonnen. Aber da ist immer noch das Palmöl. Das findet sich allem voran in Lebensmittel und Kosmetika. Doch auch dafür haben die Forscher ein gangbares Szenario entwickelt. Wir müssen nur die Lebensmittelabfälle um ein Fünftel reduzieren, dann erledigen sich auch diese Exporte. Warum das jetzt? Weil damit die eineinhalbe Fläche Wiens an Ackerland eingespart würde, ganze 62.000 Hektar. Dort könnte man Sonnenblumen und Raps anbauen und daraus mengenmäßig mehr Öl gewinnen, als man derzeit Palmöl für Lebensmittel und Kosmetika braucht. Wobei die Forscher hier relativeren, dass man Palmöl in der Praxis aus verfahrenstechnischen Gründen in einzelnen Einsatzbereichen nicht oder nur schwer ersetzen könne. “Das betrifft aber nur einen geringen Teil von maximal dreizehn Prozent des gesamten Palmöl- und Palmkernölimports nach Österreich”, sagen sie.

Was Fleisch essen mit Palmöl zu tun hat

Eine Reduktion des Fleischkonsums würde sich übrigens auch darauf auswirken, die Palmöl-Exporte entbehrlich zu machen. Ein Zwanzigstel müssten wir einsparen. 70 Prozent des importierten Palmöls (inklusive der indirekten Einfuhr als Biodiesel) werden zudem zu Treibstoff verarbeitet. Auch diese Mengen könnte man durch heimischen Anbau von Ölpflanzen ersetzen, meint Schlatzer.

Wenn wir 20 Prozent weniger Lebensmittel wegschmeißen:

  • Dann werden 543 Mrd. kcal eingespart, die nicht mehr für „den Abfall produziert“ werden.
  • Die Ackerflächen, die durch diese Einsparung in Österreich frei werden, betragen ca. 62.000 Hektar.
  • Diese Ackerfläche deckt weit mehr als den Bedarf an Fläche für den alternativen Anbau von Rapsöl in Kombination mit Sonnenblumenöl in Österreich für den vollständigen Ersatz von Palmöl für die Nicht-Agrotreibstoff-Sektoren.

Die Ölmengen von Raps- und Sonnenblumenpflanzen in Österreich sind pro Hektar zwar etwas geringer als der Ertrag aus Palmen in Südostasien, aber der heimische Anbau hätte trotzdem eine zweieinhalb- bis dreieinhalb Mal bessere Klimabilanz. Damit vermeidet man nämlich große Mengen an Treibhausgasemissionen durch die Zerstörung von Torfboden und Tropenwald in Malaysia und Indonesien. “Ersetzt man theoretisch das Palmöl, das unter anderem für Nahrungsmittel und Kosmetika eingesetzt wird, durch Raps- und Sonnenblumenöl, verbessert das die CO2-Bilanz um bis zu eine halbe Tonne pro Jahr”,  so Schlatzer. Ersetzt man alle Palmölimporte inklusive der Agrotreibstoffe mit österreichischen Alternativen, dann spart man bis zu 1,4 Millionen Tonnen.

https://www.fibl.org/fileadmin/documents/de/news/2019/studie_palmoel_soja_1907.pdf