Der Jänner is(s)t vegan
Jedes Jahr im Jänner startet seit 2014 weltweit ein Ernährungsexperiment, das zum Megatrend wurde: Veganuary (vegan + January). Unser Vorsatz Nr. 2.

Mohnwirtin Rosemarie Neuwiesinger (Mohn Amor, Mohnzelterei) aus dem Mohndorf Armschlag bietet die traditionellen Mohnzelten auch vegan an. ©Andrea Knura
Einen Monat lang auf tierische Produkte zu verzichten und pflanzliche Ernährung auszuprobieren klingt nach einem guten Plan/Vorsatz. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der Verzicht, sondern das Kennenlernen neuer Lebensmittel, Rezepte und Routinen. Weltweit beteiligen sich jedes Jahr Millionen Menschen, Institutionen und Organisationen an der Initiative. War dies vor einem Jahrzehnt noch ein Randphänomen, hat sich der Veganuary inzwischen zu einem globalen Ereignis entwickelt, das Ernährung, Klima- und Tierethikdebatten beeinflusst. “Mein guter Vorsatz: Weniger Fleisch essen. Einen Monat – also gleich den ganzen Jänner – nicht nur auf Fleisch, sondern ganz auf tierische Lebensmittel zu verzichten ist für Fleischesser sicher eine große Herausforderung,” weiß Markus Salcher von Lesachtaler Fleisch aus Erfahrung, also von seinen Kunden, die bei ihm bewusst Fleisch und Speck aus artgerechter Tierhaltung kaufen. Markus Salcher selbst, verzichtet gerne zwischendurch auf Fleisch und ist das beste Beispiel dafür, dass man auch als Fleischer und Bauer nicht jeden Tag Fleisch essen muss. Und von unsere Mohnwirtin Rosemarie Neuwiesinger gibt es die traditionellen Mohnzelten natürlich auch vegan.
Wachstum und Teilnahmedynamik
Nach dem kulinarischem Überfluss rund um Weihnachten und dem Jahreswechsel ist der Jänner für viele eine Gelegenheit, bewusster auf die Ernährung zu achten – eventuell sogar ein paar vegane Wochen auszuprobieren. Doch wie sieht es insgesamt mit dem Fleischkonsum bzw. pflanzlicher Ernährung in Österreich aus? Wer isst weniger, wer mehr und aus welchem Grund? Und was isst Österreich stattdessen?Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Für den Veganuary 2025 lässt sich weltweit ein rekordverdächtiges Interesse nachweisen. Schätzungen zufolge probierten im Jänner 2025 etwa 25,8 Millionen Menschen weltweit eine rein vegane Ernährung – mehr als je zuvor. Diese Zahl basiert auf repräsentativen YouGov-Umfragen in mehreren Kernländern der Kampagne und wird von der internationalen Veganuary-Organisation veröffentlicht. Veganuary
Auch in Österreich zeigt sich dieser Trend deutlich: Laut Angaben der Veganen Gesellschaft Österreich entschieden sich rund 8 % der erwachsenen Bevölkerung – mehr als 500 000 Personen –, im Rahmen des Veganuary vegan zu essen. Zusätzlich reduzierten weitere 11 % ihren Konsum tierischer Produkte im Jänner aktiv. Diese Zahlen sind insofern bemerkenswert, als dass sie weit über die offiziellen Anmeldungen über die Veganuary-Website hinausgehen: Viele Menschen nehmen inoffiziell teil – sei es aus Neugier, gesundheitlichen Gründen oder aus ethisch-ökologischer Motivation – und werden so statistisch nur über Umfragen erfasst.
Konsumverhalten und Trends
Der Veganuary steht nicht für eine kurzfristige Mode, sondern spiegelt tiefere, strukturelle Veränderungen im Ernährungsverhalten wider. In Österreich ist der Fleischkonsum in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken – von über 65 kg auf etwa 57,6 kg pro Kopf im Jahr 2023, ein Rückgang von mehr als 11 %. 2024 war ein geringfügiger Anstieg um 0,4 kg auf 58,0 kg pro Kopf zu verzeichnen. Dabei wurde geringfügig weniger Schweinefleisch (-0,1 kg) und mehr Geflügel (+0,5 kg) als im Vorjahr verzehrt.
Parallel wächst der Anteil pflanzlicher Ernährungsformen: Laut dem Smart Protein Report leben etwa 37 % der Österreicher flexitarisch (also mit reduziertem Fleischkonsum), während jeweils 5 % vegetarisch oder vegan leben. Diese Entwicklung ist Teil einer breiteren europäischen Bewegung, bei der Österreich im Veganer-Anteil eine führende Position einnimmt. Solche Zahlen sind nicht nur Ausdruck eines Lifestyle-Trends, sondern haben handfeste ökologische und gesundheitliche Implikationen: Pflanzliche Ernährungsweisen sind mit deutlich geringeren Treibhausgas-Emissionen pro Kalorie verbunden als fleischbasierte Kost, und Studien weisen auf gesundheitliche Vorteile insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselgesundheit hin. „Unser Ernährungsverhalten beeinflusst Treibhausgasemissionen, Flächennutzung, Wasserverbrauch und Biodiversität. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass pflanzliche Lebensmittel im Durchschnitt deutlich geringere Treibhausgasemissionen verursachen als tierische Produkte,“ so ein Beitrag der Uni Wien. https://nachhaltigkeit.univie.ac.at/veganuary-2026
Nachhaltige Wirkung über den Januar hinaus
Ein zentraler Befund aus Langzeitbefragungen der Veganuary-Organisation ist, dass viele Menschen ihre Essgewohnheiten langfristig umstellen: 80 % derjenigen, die vor dem Veganuary nicht vegan lebten, reduzieren auch sechs Monate später ihren Konsum tierischer Produkte deutlich, und rund 28 % bleiben komplett vegan. Damit ist Veganuary keineswegs nur ein symbolischer Start ins neue Jahr, sondern ein wirkmächtiger Impulsgeber auf dem Weg zu nachhaltigeren Ernährungsweisen – wissenschaftlich belegte Effekte inklusive.
TIPP: Bauernladen.at vegan
Über 4400 vegane Produkte von heimischen landwirtschaftlichen und handwerklichen Betrieben aus ganz Österreich. Zum Beispiel vegane Dinkelspiralnudeln aus sortenreinem Urdinkelmehl und mühlvierter Quellwasser von Schäffler Teigwaren. Den Rest macht der Wind. Ein Grünkernaufstrich vom Naturpark-Bauerhof Pöltl. Würzig, rauchig, vitaminreich – der Aufstrich, der ganz ohne Fleisch auskommt. …



