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Anlässlich des Weltumwelttages sollten wir in Österreich besonders über den Bodenverbrauch nachdenken. Denn die Verbauung nimmt überhand.

Deutlicher Unterschied: “Verbaute Erde” – Parkflächen vs. Ackerland ©Hagelversicherung

Auf wie viel Quadratmeter an Supermarkt kommen Herr und Frau Österreicher? Was meinen Sie? Es sind satte 1,67 m² pro Kopf. Das ist die dichteste Supermarktfläche in ganz Europa. Der Durchschnitt liegt bei einem Quadratmeter pro Kopf. Damit aber nicht genug. Wir haben mit 15 Meter pro Kopf auch noch das längste Straßennetz Europas. In Deutschland etwa kommt man im Vergleich nur auf acht Meter. Bequem mag das sein, der Umwelt tut’s allerdings naturgemäß nicht gut. Denn beides verbraucht Boden, der anderswo fehlt. Anderswo, das ist das Ackerland. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre werden täglich 20 Hektar Äcker und Wiesen, umgerechnet 30 Fußballfelder, aus der Produktion genommen – das sind pro Jahr 0,5 Prozent der Agrarfläche. Schreitet das so fort, gibt es in Österreich in 200 Jahren keine Agrarflächen mehr. Letzteres sagt Österreichs oberster Hagelversicherer Kurt Weinberger. Neues Wissen ist das freilich nicht. Schon 2002 haben sich die politischen Köpfe des Landes über dieses Dilemma Gedanken gemacht. In der  so genannten Nachhhaltigkeitsstrategie wurde daher der Zielwert des täglichen Bodenverbrauchs mit 2,5 Hektar pro Tag festgelegt. Damals wurden ganze 20 Hektar täglich verbraucht. Gelungen ist die Reduktion allerdings nicht wirklich. 2018 lag der tägliche Bodenverbrauch noch immer bei 12 Hektar.

Stichwort Ernährungssouveränität

Halten wir also fest: Österreich ist nach wie vor Europameister, was die tägliche Verbauung für Straßen, Gewerbeflächen oder Einkaufszentren betrifft. Auf der anderen Seite stehen Immobilien in der Größenordnung der Stadt Wien leer. Wir sprechen von unglaublichen 40.000 Hektar. Die Folgen sind längst bekannt: Durch die Ansiedelung der Supermärkte am Rand sind die Geschäfte in den Orts- und Stadtkernen nicht mehr überlebensfähig. Überspitzt gesagt bedroht diese Entwicklung allerdings mittlerweile ganze Landstriche. Den erwähnten Ackerboden, der dafür dran glauben muss, braucht es aber für die Versorgung mit heimischen Nahrungsmitteln. Der Selbstversorgungsgrad beim Brotgetreide beispielsweise beträgt aktuell nur noch 86 Prozent. Abgesehen von der Ernährungssouveränität, die der Boden sichert, ist er aber auch noch CO2- und Wasserspeicher. Womit wir bei der Klimaregulation sind. Und auch da schaut es nicht gut aus.

Wo stehen wir in Sachen Klima?

“In den letzten fünf Jahren gab es durch Dürre, Überschwemmung und sonstige Wetterextreme einen Gesamtschaden in der österreichischen Landwirtschaft von rund einer Milliarde Euro”, so Weinberger. Auch das sei eine Folge im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Bodenverbrauch. Gefällt das den Österreichern? Nein. Laut einer neuen market-Umfrage möchten 84 Prozent aller Befragten keine fortschreitende Verbauung des Landes. Vier von fünf Befragten sprechen sich für gesetzliche Beschränkungen aus. Rund drei Viertel sehen große Potentiale im Schutz von Boden und eines möglichen Stopps der Verbauung. „Das geht sogar so weit, dass man mit diesem brennenden Umweltthema auch bei der nächsten Nationalratswahl punkten könnte“, sagt market-Geschäftsführer Werner Beutelmeyer. Was könnte der weiteren Verbauung entgegenwirken? Monetäre Anreizsysteme, um leerstehende Industrie-, Gewerbe- und Wohnimmobilien zu revitalisieren und der Ausbau des Öffentlichen Verkehrs, der weniger Fläche braucht.

Der Weltumwelttag Seit 1972 findet am 5. Juni der Weltumwelttag statt. Weltweit beteiligen sich rund 150 Staaten an diesem Aktionstag. Auf allen Kontinenten setzen an diesem Tag Menschen jeder Herkunft, jeden Glaubens, jedes Alters ein gemeinsames Zeichen für einen ressourcenschonenden Umgang mit unserem Planeten. Das internationale Motto 2019 widmet sich der “Air Pollution” (Luftverschmutzung). http://www.weltumwelttag.at

Sie wollen tiefer in das Thema Boden eintauchen? Lesen Sie unseren folgenden Artikel dazu: Den Boden schätzen