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Weil’s offenbar kein politischer Selbstläufer ist, will jetzt eine Bürgerinitiative dafür sorgen, dass Europas Landwirte und die Artenvielfalt gerettet werden.

Die Gleichung lautet: Weniger Pestizide per Gesetz, mehr Bienen, und Bauern, die auf Bio umsteigen. ©Panthermedia

Dass es so nicht weitergehen kann mit der europäischen Landwirtschaft, das wissen alle. Dennoch passiert allem voran auf politischer Ebene in diesem Bereich viel zu wenig, um eine Veränderung herbeizuführen. Weil viele das nicht mehr hinnehmen wollen, nehmen sie die Sache jetzt selbst in die Hand. Und zwar in Form einer Bürgerinitiative namens “Save Bees and Farmers” (“Bienen und Bauern retten”), die in Österreich von Global 2000 organisiert wird. Zusammen verfolgt man das hehre Ziel, den Kollaps der Natur zu verhindern. Wie will man das erreichen?  Die EU soll davon überzeugt werden, neue Rechtsvorschriften zu erlassen, die den Ausstieg aus chemisch synthetischen Pestiziden ebenso garantieren sollen, wie die Wiederherstellung der biologischen Vielfalt und die Unterstützung der Bauern bei der Veränderung ihres Arbeitens.

Die Forderungen der europäischen Bürgerinitiative “Bienen und Bauern retten”

  • Die EU soll per Gesetz für einen Ausstieg aus dem Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide bis 2035 sorgen. Dazu soll der Einsatz solcher Mittel bis 2030 um 80 Prozent reduziert werden, beginnend mit den gefährlichsten Wirkstoffen.
  • Natürliche Ökosysteme in landwirtschaftlich genutzten Gebieten sollen wiederhergestellt werden, so dass die Landwirtschaft eine Triebkraft zur Erholung der Biodiversität werden kann.
  • Eine Reform der Landwirtschaftspolitik soll die Bauern bei der Umstellung unterstützen. Der Fokus liegt dabei auf einer kleinteiligen, vielfältigen, und nachhaltigen Landwirtschaft. Gefördert soll zudem ein schneller Ausbau von agrarökologischer Praxis und ökologischem Landbau, eine unabhängige Weiterbildung von und durch Landwirte sowie Forschung zu pestizid- und gentechnikfreiem Anbau werden.

Beteiligt sind Aurelia Stiftung, Friends of the Earth Europe, Umweltinstitut München, Europäische Pesticide Action Network (PAN), GLOBAL 2000 und Biolandwirte.

Wie eng es bereits für die Natur ist, wie schnell der völlige Zusammenbruch kommen kann, das hat erst vor wenigen Monaten der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) klargestellt. Die Wissenschaftler warnten, dass sich das Zeitfenster für Maßnahmen zur Abwendung des drohenden ökologischen Kollaps  bereits schließt. In Nicht-Forscherdeutsch übersetzt heißt das: Ein Viertel der europäischen Wildtiere ist stark bedroht, die Hälfte unserer Naturgebiete befindet sich in einem kritischen Zustand und die Ökosystemleistungen verschlechtern sich. Das Insektensterben ist inzwischen so massiv, dass es laut Welternährungsorganisation eine ernsthafte Bedrohung für die Welternährung darstellt. Daraus ergibt sich die zentrale Forderung einer Reduktion des Pestizideinsatzes und samt Übergang zu einer ökologisch orientierten Landwirtschaft. Aktuell bewegt sich die europäische Landwirtschaftspolitik jedoch in die entgegengesetzte Richtung. “Die voranschreitende Marktliberalisierung setzt Landwirte einem massiven Preisdruck aus, der kleine Familienbetriebe in ihrer Existenz bedroht und einer Ökologisierung ihrer Produktionsweise im Weg steht”, bringt Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei Global 2000  die Sache auf den Punkt. Tatsächlich sind in der EU alleine zwischen 2005 und 2016 vier Millionen Kleinbetriebe einfach von der Bildfläche verschwunden, häufig zu Gunsten von agroindustriellen Unternehmen. Die notwendige Umgestaltung der Landwirtschaft verlangt daher nach einer gemeinsamen europäischen Agrarpolitik, die diesem Trend entgegenwirkt. Nur eine nachhaltige Landwirtschaft könne die Ernährung gegenwärtiger und zukünftiger Generationen sichern und Antworten auf die wachsenden Herausforderungen durch den Klimawandel geben, sagt Burtscher-Schaden. Darüber hinaus trage sie zum Erhalt der Artenvielfalt bei und helfe, klimaschädliche Treibhausgasemissionen einzusparen. „Die Abhängigkeit der landwirtschaftlichen Produktion von Pestiziden steht dem entgegen. Eine verantwortungsvolle europäische Agrarpolitik muss daher die Weiterentwicklung  Landwirte beim Umstieg auf eine pestizidfreie Produktionsweise unterstützen.“

Die EU hat dem allen offenbar wenig entgegenzusetzen und heute grünes Licht dafür gegeben. Die Bürgerinitiative wird am 10. Oktober offiziell gestartet, danach haben die unterstützenden Organisationen zwölf Monate Zeit, um eine Million Unterschriften aus der gesamten EU zu sammeln.

Die drei Forderungen der EBI “Save Bees and Framers” finden Sie unter savebeesandfarmers.org