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Der heimische Konsum an Lebensmitteln verursacht Umweltschäden. Doch die zeigen sich nicht hier, sondern in Mittel- und Südamerika sowie Asien.

In Südameria leidet die Biodiversität und damit auch die Menschen unter unserem Konsum. ©Peter Hershey/Unsplash

Was tun mit Umweltschäden, verursacht durch den Nahrungsmittelkonsum? Reiche Industrieländer wissen, wie man Abhilfe schafft. Die simple Lösung: Einfach in andere Weltregionen auslagern. Für Europa und Nordamerika funktioniert das bestens. Die zugehörigen Zahlen verblüffen allerdings. Nina Eisenmenger und Karlheinz Erb vom Institut für soziale Ökologie der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien sagen: “90 Prozent der Umweltschäden, die ein Bürger eines hoch entwickelten Landes wie Österreich durch den Konsum landwirtschaftlicher Produkte verursacht, wirken in ganz anderen Erdregionen.”  Das wissen sie, weil sie mit einem Forscherteam um Alexandra Marques von der Universität Leiden in Holland die Auswirkungen von Land- und Forstwirtschaft auf die Artenvielfalt und wichtige Ökosystem-Funktionen hier wie da untersucht haben – etwa die Speicherung von klimaschädlichem Kohlenstoff. Eine ihrer Fragestellungen war, wo die Produkte konsumiert werden und wo Umweltschäden zurückbleiben.

Der Rindfleischkonsum hinterlässt Spuren

Mittlerweile wissen es die Forscher. Allem voran in Süd- und Mittelamerika leidet die Fauna und Flora  darunter, dass es die Industrieländer geschafft haben, zwischen 2000 und 2011 fast die gesamten negativen Umweltauswirkungen zur Produktion der konsumierten Güter auszulagern. Aber nicht nur der Artenreichtum dort schrumpfte nachweislich, auch in Afrika und Asien nahm die Biodiversität massiv ab. Womit wir beim Fleisch sind. Was das Fleisch dafür kann? Zu einem Drittel, so die Forscher, ist die Rinderzucht dafür verantwortlich. Dass Sie die Umwelt schädigen, wenn Sie zu einem Burger mit Rindfleisch aus Südamerika greifen, können Sie sich vermutlich noch vorstellen. Schließlich müssen dort Wälder gerodet werden, damit die Tiere Grasflächen bekommen. Schwieriger wird es schon bei heimischem Rindfleisch. Doch auch das nimmt Einfluss. Und zwar, weil es häufig mit Soja aus diesen Regionen gefüttert wird. Und für die Anbaufläche müssen wiederum Wälder abgeholzt werden. Insofern ist es gehupft wie gehatscht. Der Schaden ist vergleichbar. Dazu kommen Dünger- und Pestizide, die noch existenten Arten auch nichts gutes tun. Das globale Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum, beschleunigt den Prozess noch, sagt Marques. Und dann sind da noch die Schwellenländer, die ferngehandelte landwirtschaftlichen Produkte begehren und wohl bald mit den Industriestaaten gleichziehen werden, was den Beitrag zum Biodiversitätsverlust betrifft.

Die gute Seite der Weltwirtschaftskrise

Die einzig gute Nachricht: Während der Weltwirtschaftskrise reduzierte sich der Konsum in Nordamerika und Westeuropa. Daher nahm der Verlust der Artenvielfalt zwiscchen 2006 und 2009 auch ab.  Mit einem Wandel zur Nachhaltigkeit hat das freilich nichts zu tun. Und auch, dass alle Weltregionen effizienter werden und die Umweltschäden pro erwirtschafteten Dollar abnehmen, hilft wenig. Dem gegenüber steht nämlich das schnelle Wachstum der Weltwirtschaft und -bevölkerung. Deshalb ist auch dieser Effekt nur vermeintlich positiv. Was helfen könnte? Die indirekte Verantwortung von Konsumenten für Umweltauswirkungen in der Ferne international stärker zu berücksichtigen, etwa im Rahmen der Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen (UN). Nur mittels einer veränderten Wirtschaftspolitik können die Umweltauswirkungen unseres Konsums in anderen Weltteilen minimiert werden, sagen die Forscher.

Alle Ergebnisse der Studie finden sich im Fachjournal “Nature Ecology and Evolution”.

https://www.nature.com/articles/s41559-019-0824-3