Bunkerl, Salami und Osterkrainer
Österreich gilt als echtes Wurstland. Wir wollen aber nicht nur wissen, woher Salami, Krainer und Bunkerl kommen, sondern auch was in der Wursthaut steckt.

Die Pechtigam Haussalami wird aus sorgfältig aussortiertem Schweinefleisch hergestellt. Sie überzeugt mit ihrem mild aromatisch und fleischbetonten Geschmack und einer leichten Knoblauch- und Pfeffernote. ©️Pechtigam
Wer die Wurst tatsächlich erfunden hat, bleibt bis heute im Dunkeln. Sicher ist nur: Sie begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Schon in der Antike taucht sie in Geschichten auf – etwa bei Homer, der in der Odyssee von Kriegern erzählt, die sich vor der Schlacht mit gefüllten Tierdärmen stärken. Auch die Römer waren große Wurstliebhaber: Neben kleinen Vorspeisenwürsten servierten sie ganze Schweine, gefüllt mit allerlei Varianten – darunter sogar Hirnwurst, damals eine Delikatesse.
Archäologische Funde zeigen, dass wurstähnliche Speisen bereits um 5000 v. Chr. in Ägypten, Syrien und China bekannt waren. Der Begriff selbst verweist auf die Herstellung: drehen, mischen, rollen, wenden. Ein Prinzip, das bis heute gilt. Rund die Hälfte des Fleisches wird hierzulande zu Wurst verarbeitet – aus zerkleinertem Fleisch, Speck, Salz und Gewürzen, oft ergänzt durch Innereien oder Blut. Gefüllt in Därme oder Hüllen, wird die Masse geräuchert, gekocht, getrocknet oder gereift.
Dabei prägt die Geografie den Geschmack: Während im Alpenraum eher Speck- und Rohwürste dominieren, bevorzugt man im Osten Brühwürste. Klima und Landschaft spielten schon immer eine zentrale Rolle – nicht zuletzt, weil es bei der Wurstherstellung ursprünglich um Haltbarmachung ging.
Steirische Handwerkskunst: Salami mit Geschichte
In Mettersdorf am Saßbach wird diese Tradition bis heute gelebt. Die Familie Pechtigam setzt seit 1989 auf Direktvermarktung und verbindet moderne Verarbeitung mit bäuerlicher Herkunft. Artgerechte Tierhaltung und naturnahe Landwirtschaft bilden die Grundlage.
Die Haussalami überzeugt mit mild-aromatischem, fleischbetontem Geschmack, fein abgestimmt mit Knoblauch und Pfeffer. Eine dezente Räuchernote rundet das Profil ab. Auch die Hauswürstel sind ein Klassiker: kernig, herzhaft und geprägt von sorgfältiger Rohstoffauswahl sowie handwerklichem Können – getragen von der Erfahrung mehrerer Generationen.
Die Bratwurst: Europas ältestes Fast Food
Die Bratwurst blickt auf eine besonders lange Geschichte zurück. Bereits im römischen Kochbuch des Apicius finden sich Rezepte, und Dichter wie Petronius beschrieben „rauchende Würste auf silbernem Rost“. Wahrscheinlich verbreiteten römische Legionäre das Wissen um die Wurstherstellung in Europa. Im deutschsprachigen Raum taucht die Bratwurst um 1400 erstmals schriftlich auf. Im Mittelalter war sie vor allem für die ärmere Bevölkerung eine erschwingliche Möglichkeit, Fleisch zu konsumieren – meist gekocht statt gebraten, denn gebratenes Fleisch galt als Luxus der Oberschicht.
Das „Bunkerl“ – klein, fein und typisch österreichisch
Ein besonderes Schmankerl ist das sogenannte „Bunkerl“: eine kleine, fein geräucherte Dauerwurst von etwa 16 bis 18 Zentimetern Länge. Ideal als Jause oder im Wurstsalat, wird sie traditionell aus Rind, Schwein oder Wild hergestellt. Im Waldviertel am Gut Ottenstein etwa entstehen Varianten mit hohem Wildanteil, ergänzt durch weitere Spezialitäten wie Wild-Kabanossi oder Käsekrainer – stets in handwerklicher Produktion.
Braunschweiger – ein Name, viele Varianten
Die Braunschweiger zeigt, wie vielfältig Wurst sein kann. Da das Originalrezept nie geschützt wurde, existieren heute zahlreiche Interpretationen – international ebenso wie regional. Auch in Kärnten gehört sie zur traditionellen Jause. Typisch ist die Kombination aus Rind- und Schweinefleisch sowie Speck, gewürzt mit Knoblauch und kräftigen Aromen. Deftig, herzhaft und vielseitig – eine Wurst, die sich immer wieder neu erfindet.
Krainer zu Ostern
Die Krainer Wurst ist in vielen Regionen ein kulinarisches Symbol für den Neubeginn nach der Fastenzeit. Ursprünglich aus der Region Krain in Slowenien stammend, bringt diese traditionsreiche Spezialität nicht nur kräftigen Geschmack, sondern auch ein Stück Geschichte mit sich. Nach Wochen des bewussten Verzichts markiert sie den Übergang in eine Zeit des Genusses und der Fülle. Ihr würziges Aroma steht sinnbildlich für das Wiedererwachen des Lebens im Frühling. Serviert mit frischem Brot, scharfem Kren und hartgekochten Eiern wird die Krainer zum Mittelpunkt jeder Osterjause.
Ob antike Delikatesse oder Tradition: Die Wurst ist weit mehr als nur ein Lebensmittel. Sie ist ein Stück Kulturgeschichte – geformt von Klima, Handwerk und Geschmack.



