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Früher, also im vergangenen Jahrhundert, ging man mit der Milchkanne zum Bauern um Mich zu holen. Heute macht man das auch wieder, allerdings wird die Milch jetzt am Automaten gezapft. Milch holen rund um die Uhr. 

Geld einwerfen, Milchkanne oder Flasche in den Automaten stellen, Knopf drücken. So einfach ist es, einen Liter gut gekühlte, frische Rohmilch zu zapfen. Milch holen direkt beim Bauern hat viele Vorteile. Die Milch ist frisch, man weiß ganz genau woher sie kommt, man produziert keinen Verpackungsmüll, die Milch hat keine kilometerlangen Odyssee hinter sich und sie ist günstig. Meist muss man für einen Liter bester Rohmilch nur einen Euro einwerfen. So weit, so gut.

Wie kommt die Milch aber von der Kuh in den Automaten?

Diese Frage beantwortet uns Sonja Steinwender, die gemeinsam mit ihrem Mann Christian einen Hof mit ca. 30 Milchkühen im Kärntner Gitschtal bewirtschaftet und seit der Jahrtausendwende einen Milchautomaten am Hof hat.

Zwei mal täglich werden die Kühe gemolken. Pro Kuh dauert das im Schnitt rund fünf Minuten, so Steinwender. Die Kuh kommt in den Melkstand, wird erstmal sauber gemacht und per Hand vorgemolken. Zwei, drei Strahlen pro Zitze werden also in den Vormelkbecher gemolken. So wird die Milchbeschaffenheit (Aussehen, Geruch) beurteilt. Wird dieses Vormelken nicht durchgeführt, so darf laut Milchhygieneverordnung die Milch nicht abgegeben werden!

Da Milch ein empfindliches Lebensmittel ist, muss beim Melken streng auf Hygiene geachtet werden.

Nach der Reinigung des Euters kann das Melkzeug angesetzt werden. Dazu werden die Melkbecher nacheinander auf die Zitzen gesteckt. Nun wird die Kuh gemolken. Über ein Milchmengenmessgerät wird der Milchfluss gemessen. Nimmt der Milchfluss ab, das heißt fließt immer weniger Milch aus dem Euter, hört die Melkmaschine auf zu melken und nimmt automatisch das Melkzeug ab. Bevor die Kühe nach dem Melken den Melkstand verlassen, werden die beanspruchten Zitzen mit einer Jodlösung behandelt, da sie durch das Melken offen sind. Erkrankungen des Euters werden so vorgebeugt. Nach jedem Melkvorgang, also nach jeder Kuh,  wird das Melkzeug mit Peressigsäure gereinigt.

Die Milch fließt direkt vom Melkzeug über eine Rohrleitung und einen Filter in den Tank und wird dort auf 4°C runtergekühlt. Der Edelstahltank ist über eine Tauchpumpe und einen Schlauch mit dem Milchautomaten verbunden. Bei Geldeinwurf wird die Pumpe aktiviert. 

Für die Qualität und den Geschmack der Milch ist Hygiene entscheidend. Der Tank muss jeden zweiten Tag gereinigt werden, der Milchautomat wird täglich gespült. Hygiene fängt aber schon bei der Fütterung und der Haltung der Tiere an, so Steinwender. Kühe brauchen ein sauberes Umfeld und Auslauf. Die Liegeboxen werden zwei mal täglich gereinigt und frisch mit Heu eingestreut. Diese Hygienemaßnahmen sorgen dafür, dass sich die Kühe wohl fühlen was wiederum zu einer guten Milchqualität führt. „Dennoch müssen wir unsere Kunden aufklären, dass es sich um Rohmilch handelt, die nicht pasteurisiert oder homogenisiert ist und einen natürlichen Fettgehalt von 4,1 bis 4.5 Prozent hat. Was für viele „Rohmilchneulinge“ ungewohnt sein mag ist, dass sich der Rahm – also das Fett – oben auf der Milch absetzt. Bevor man sie kocht oder trinkt, sollte man die Milch also umrühren. Im Kühlschrank hält sich die Milch rund eine Woche. Und: Wenn man zu viel geholt hat, kann man daraus wunderbar selbst Jogurt oder Frischkäse machen.

Bauernhof Steinwender, Untermöschach 6, 9620 Hermagor

 

Von der Milch jedes landwirtschaftlichen Betriebes werden regelmäßig Proben gezogen. Folgende Inhaltsstoffe bzw. Qualitätskriterien werden untersucht: Fett, Eiweiß, Keimzahl, Somatische Zellen (Zellzahl), Gefrierpunkt (zeigt evtl. Verwässertung der Milch an), Hemmstoffe.

Durch die Ermittlung der Keimzahl wird die bakteriologische Beschaffenheit der Milch festgestellt. Eine erhöhte Keimzahl in der Anlieferungsmilch zeigt Schwachpunkte in der Hygiene der Milchgewinnung und Milchlagerung auf.

https://www.ama.at/Fachliche-Informationen/Markt-und-Meldemassnahmen/Rohmilch-Qualitaet

https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/lebensmittel/buch/hygieneleitlinien/Leitlinie_mikrobiologische_Kriterien_fuer_Milch_2015.pdf