Seife ist heute wieder in aller Hände. Aus natürlichen Inhaltsstoffen und hochwertigen Ölen gefertigt, ist sie mehr als einfach nur ein Waschstück.

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Mit Seife ist hier natürlich ein Stück Seife und nicht der Flüssigreiniger im Plastik-Pumpspender gemeint. Wir haben die Seife nämlich fast verloren. Also das Wort ist zwar geblieben, nur das eigentliche Seifenstück ist uns abhanden gekommen. Wir haben es von unserem Waschbeckenrand verbannt. Befanden es für nicht hübsch genug, “unhygienisch” und hautunfreundlich. Selbst der Begriff Seifensieder ist nicht mehr für das Handwerk an sich, sondern als Schimpfwort verwendet worden. Eine junge Generation von Produzenten entdeckt das Handwerk des Seifensiedens jetzt aber wieder für sich (und natürlich für uns), und verhilft der Seife zu neuem, und vor allem natürlichen Glanz. Sie ist also wieder in aller Hände und wird für den ganzen Körper, die Haare und für die Rasur verwendet. Seife aus natürlichen Inhaltsstoffen, säubernd und pflegend. Fast schon Kunststücke, Lifestyle-Accessoires. Handgefertigt und formschön.

Vorsicht, “Rutschgefahr”

Man kann sich in Seifen auch täuschen, oder sich vielmehr täuschen lassen. Auf den ersten Blick umweltfreundlich, ohne viel Plastik rund herum, muss nicht heißen, dass ihre Inhaltsstoffe natürlich sind. Industrielle Kosmetikhersteller inszenieren gerne eine Seifenoper, locken mit dekorativen, hübschen Stücken, die aber nicht das halten was sie versprechen. Diese Seife macht zwar sauber, besteht aber oft aus billigen Rohstoffen und schädlichen Inhaltsstoffen wie Fetten auf Erdölbasis, synthetischen Farb- und Duftstoffen und Konservierungsmitteln. Eigentlich ist diese Seife meist nur ein “Waschstück” mit geringem Seifenanteil. Sie wird durch synthetische und waschaktive Substanzen ersetzt und dann noch mit Rückfettungsmittel, Hautschutzstoffe wie Kamille oder Calendula oder auch Desinfektionsmittel versetzt. 

Mit Liebe kaltgerührt

Hingegen sind Naturseifen, gesunde Seifen die ausschliesslich aus natürlichen Pflanzenstoffen nach altbewährten Rezepturen hergestellt werden. Kaltgerührt, damit das wertvolle Glycerin in der Seife erhalten bleibt. Ausserdem wird ein bestimmter Anteil zum Beispiel vom Pflanzenöl oder der Kakaobutter nicht verseift, das garantiert eine rückfettende und somit pflegende Wirkung für die Haut. Seifen aus kleinen Manufakturen stehen zudem für Handwerk, Storytelling und Nähe. Ja und auch die Seife selbst, hat eine aufregende Geschichte zu erzählen. Eine Tontafel mit Keilschrift ist der Beweis dafür, dass bereits die Sumerer vor mehr als 4.500 Jahren eine Vorform der Seife kannten. Sie stellten sie aus Pottasche und Ölen her, wobei die benötigte Pflanzenasche durch das Verbrennen von Tannenzapfen oder Dattelpalmen entstand. Durch diese Mischung wurde die Oberflächenspannung des Wassers vermindert, und die fettlösende Lauge konnte den Schmutz gut angreifen. An diesem Reinigungsprinzip hat sich im Laufe der Jahrtausende nichts geändert. An der Herstellung der Seife und deren Inhaltsstoffe jedoch viel.

Natur pur bis zur Verpackung

So ein Stück Seife kommt fast ohne Verpackung aus, ganz im Gegenteil zu ihrer Flüssigversion. Emuna Seifen sind beispielsweise in nachhaltig hergestelltem Papier, Cellophan oder Naturkarton verpackt. 100% biologisch abbaubar. Sabines Seifen wiederum setzt auch mal auf Upcycling Verpackung. Zum Beispiel bei der Rasierseife, die gibts im Häferl. Zugegeben, es ist anfänglich etwas eigenartig sich den Bart mit Seife einzuschäumen oder die Haar mit einem Stück Seife zu waschen. Dabei gibt es für sogar für jedes Haar die passende Seife. Katharina Enengl von Nativseifen setzt bei ihrer Haarseife Apfelessig auf eine Seife, die für jeden Kopf gemacht ist. Die Haare fühlen sich angenehm weich und füllig an und der Apfelessig sorgt für einen bezaubernden Glanz. Die Klettenwurzel von emuna hingegen beruhigt gereizte Haut und hilft bei Schuppen. Horsetail Seife wiederum, also Schachtelhalm oder Zinnkraut, gilt als Gewebestraffer für substanzarme, splittende Haare. Sie nährt Haut und Haar und sorgt für ein besseres Wachstum durch die reichlich vorhandene Kieselsäure und anderer Mineralien und Spurenelemente. In diesem Seifenstück ist Schachtelhalm als Auszug (Dekokt) und gemahlen eingearbeitet. Eben möglichst unverfälscht!  Und von Sabines Seifen gibt es sogar unterschiedliche Seifen für helles, dunkles oder rotes Haar.

Ist der Wunsch nach mehr Qualität und Nachhaltigkeit also nicht ein guter Grund seine Gewohnheiten zu überdenken? Ja, es tut gut ein Teil dieser neuen “Seifenrevolution” zu sein, die in kleinen Stücken eine große Haltung widerspiegelt. Nämlich jene des Respekts, gegenüber sich selbst und der Natur.

Tipp: Damit so ein schönes Seitenstück nicht zu einem unansehnlichen Klumpen wird muss man achtsam damit umgehen. Sie darf nicht im Feuchten liegen und braucht Luft. Die Lösung – einfach ein hübsches Keramikschälchen und sie haben lange Freude an ihrer Seife.

Lesen Sie dazu auch “Die Seifensiederin”

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