Bier senkt das Herzinfarkt-Risiko, stärkt das Immunsystem und macht sogar glücklich. Wir haben herausgefunden, ob an diesen Mythen wirklich was dran ist.

Bei Bier wurde ein Effekt auf das weibliche Herz-Kreislauf-System nachgewiesen, bei Wein nicht. ©Panthermedia

Was passiert, wenn 57 Männer und Frauen 30 Tage lang auf Hopfen und Malz setzen? Sagen wir, Männer trinken zwei Seiterl täglich, Frauen eines. Das genau wollte schon 2007 eine Forschergruppe an der Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung der Madrider Immunonutrition Group wissen. Die Ergebnisse verblüfften nicht nur die Forscher: Nach dieser Zeit waren die Abwehrzellen der Probanden aktiver und zahlreicher – wobei die weiblichen Probanden noch stärker davon profitierten. So viel zur Frage, ob Bier das Immunsystem stärkt. Woran liegt’s? Mit Sicherheit an den über 1.000 Inhaltsstoffen. Da wären Mineralien und Spurenelemente, die als Futter für Nerven und Muskelkraft dienen, Eisen und Kupfer, die sich positiv auf die Blutbildung auswirken, Phosphor, das den Stoffwechsel pusht, Magnesium, das den Herzmuskel stärkt, Zink für die Insulinbildung und nicht zu vergessen die B-Vitamine. Doch moderater Bierkonsum, mit Betonung auf moderat, kann noch mehr. Beispielsweise das Herzinfarktrisiko senken. Auch hier ziehen übrigens Frauen einen besonderen Nutzen daraus, wie eine schwedischen Langzeitstudie eindrucksvoll belegt.

Frauen und Herzinfarktpatienten profitieren

Über ganze 32 Jahre lang begleiteten Göteborger Forscher 1.500 Frauen mittleren Alters medizinisch. Am Ende der “Kvinnostudien”, die zwischen 1968 und 2000 durchgeführt wurden, waren sie zwischen 70 und 92 Jahre alt. Eine aktuelle Analyse der so gewonnen Daten sollte jetzt zeigen, ob der Konsum von verschiedenen alkoholischen Getränken und das Auftreten von Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebs  zusammenhängen. Und tatsächlich tun sie das. Moderate Biertrinkerinnen, die ein bis zwei Mal pro Woche ein Seiterl tranken, hatten ein 30 Prozent geringeres Risiko für einen Herzinfarkt – im Vergleich zu Frauen, die nie Bier tranken. Dem gegenüber steht allerdings ein erhöhtes Krebsrisiko bei  diesem Konsum.

Frauen, die ein bis zwei Mal pro Woche Bier trinken, haben ein 30 Prozent geringeres Risiko für einen Herzinfarkt.

Einer Herzattacke entgegenwirken, ohne sein Krebsrisiko zu erhöhen? Auch das geht mit Bier. Dazu reicht es ein- bis zwei Mal im Monat Bier zu trinken, so die Wissenschaftler. Wer lieber Wein genießt, schaut in diesem Fall übrigens durch die Finger. Erstaunlicherweise konnten die schwedischen Forscher nämlich keinen positiven Effekt auf Herz-Kreislauferkrankungen durch Weinkonsum entdecken. Was aber, wenn das Unglück schon geschehen ist? Die gute Nachricht: Auch Herzinfarkt-Patienten können sich guten Gewissens ab und an ein Bier gönnen. Eine Harvard-Studie von Eric Rimm zeigte 2012, dass sich die Sterberate bei männlichen Patienten um ganze 42 Prozent senkte, wenn sie zwischen zehn und dreißig Gramm Alkohol am Tag konsumierten. Ein Krügerl Bier enthält etwa 20 Gramm reinen Alkohol.

Über das dicke, bierige Glück der Männer

Bleibt noch die Sache mit dem Glück. Auch da kommen die Männer zum Zug. Bei ihnen löst alleine schon der Geschmack von Bier Glücksgefühle aus. Ja richtig, es braucht keinen Alkohol dazu. Herausgefunden hat das der Neurologe David Kareken bei einem Experiment an der University of Indiana 2013. Er und sein Team ließen 49 Männern je eine kleine Menge an Bier und Limonade trinken und untersuchten die jeweils darauf folgende Dopamin-Ausschüttung im Gehirn. Und siehe da, der Level stieg, sobald Biergeschmack wahrgenommen wurde, obwohl manchen die Limonade eigentlich besser schmeckte. Der Alkohol? Konnte darauf keinen Einfluss haben, weil er zu gering war, um irgend etwas auszulösen. Die Probanden tranken jeweils nur 15 Milliliter Bier über 15 Minuten verteilt. Umgekehrt lässt das den Schluss zu, dass auch alkoholfreies Bier ein Glücklichmacher sein müsste. Glücksgefühle hin oder her, am Ende macht Bier doch dick und damit nimmt dann das Unglück seinen Lauf? Nicht unbedingt. Ein halber Liter Pils kommt auf etwa 210 Kalorien, die gleiche Menge Weizenbier auf etwa 225 Kalorien. Wer allerdings öfter ordentlich zulangt und am Morgen den Kater mit Fett und Kohlehydraten füttert, der trägt irgendwann tatsächlich einen Bierbauch vor sich her. Bei allen anderen heißt der nur so, kommt aber anderswo her.

http://www.readcube.com/articles/10.1159/000107679

https://sahlgrenska.gu.se/english/research/news-events/news-article/women-with-moderate-beer-consumption-run-lower-risk-of-heart-attack.cid1321456

https://academic.oup.com/eurheartj/article/33/13/1598/487324

https://medicine.iu.edu/news/2013/04/kareken-beer-taste-dopamine/