Fischerschöpfungstag war heuer der 28. Jänner. Gut, das war ein Tag später als im Vorjahr. Statistisch gesehen ist Österreich an diesem Tag aber leergefischt.

Wer heimischen Fisch kauft, unterstützt kurze Transportwege, strengere Umweltstandards und den Schutz globaler Bestände. ©️Canva

Statistisch gesehen ist der Fischerschöpfungstag ein Gradmesser für die Selbstversorgung eines Landes. Und diese ist in Österreich weiterhin gering: Rund 8 Kilogramm Fisch verzehren wir pro Kopf und Jahr – im europäischen Vergleich wenig. Dennoch stammt nur ein Bruchteil davon aus heimischer Produktion. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei knapp acht Prozent. Trotz der geringen Selbstversorgung zeigt sich in Österreich eine lebendige Szene innovativer Teich- und Aquakulturbetriebe. Sie setzen auf Regionalität, Nachhaltigkeit und artgerechte Zucht – und beweisen, dass hochwertige Fischproduktion auch im Binnenland möglich ist.

Mehr Produktion – aber noch schnellerer Hunger

2024 wurden laut Statistik Austria 5.670 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte in Österreich erzeugt. Dem gegenüber steht ein Gesamtverbrauch von 73.166 Tonnen. Daraus ergibt sich ein Versorgungsgrad von 7,75 Prozent. Zwar steigt die heimische Produktion kontinuierlich, doch der wachsende Appetit auf Fisch überholt diese Fortschritte regelmäßig. Die zusätzliche Produktion verschiebt den Fischerschöpfungstag minimal nach hinten – ausgleichen kann sie den Bedarf noch nicht.

Ein Blick in die Zahlen zeigt, dass die österreichische Fischzucht klar von Salmoniden dominiert wird. Regenbogen- und Lachsforellen führen mit 1.749 Tonnen, gefolgt von Bachforellen (589 Tonnen) und Bachsaiblingen (681 Tonnen). Kleinere Arten ergänzen das Bild: Während Schleie (+20,9 %) und Silberkarpfen (+32,5 %) deutlich zulegen konnten, verzeichnen Zander (-18,4 %) und Europäischer Wels (-20,1 %) Rückgänge. Die Produktion wächst – aber selektiv und unter hohem wirtschaftlichen Druck.

Regionale Fischzucht als nachhaltige Alternative

Im Waldviertel zählt das Gut Ottenstein zu den Pionieren der Bio-Teichwirtschaft. Auf rund 85 Hektar extensiv bewirtschafteter Teichflächen gedeiht vor allem der Waldviertler Bio-Karpfen. Die Anlage liegt großteils im Natura-2000-Gebiet und verbindet Fischzucht mit aktivem Naturschutz. Ein aus der Nutzung entkoppelter Karpfenteich sorgt etwa für stabile Wasserstände und schafft wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.

Einen völlig anderen Schwerpunkt setzt Alpenkaviar in Oberösterreich. Am Rand des Nationalparks Kalkalpen züchtet Helmut Schlader sibirische Störe und Sterlets in kristallklarem Quellwasser. Sein Ziel ist nicht nur Genuss, sondern Artenschutz: Durch kontrollierte Zucht bleibt Wildkaviar unberührt. Das Ergebnis ist ein heimisches Luxusprodukt mit nussigem Aroma – ein Gegenentwurf zur Ausbeutung gefährdeter Bestände.

Im Joglland steht der Forellenhof Joglland für naturnahe Fischzucht ohne Antibiotika. Die Fische schwimmen in landschaftlich eingebetteten Staustufen statt in Betonbecken. Reines Gebirgswasser, 15 familieneigene Teiche und handwerkliche Verarbeitung prägen die Marke Jobi®, die sich auf regionale Fischspezialitäten spezialisiert hat.

Auch im alpinen Raum entstehen neue Modelle nachhaltiger Aquakultur. Die Aquafarm Alpengarnelen in Hall in Tirol produziert Garnelen, Lachs und Forelle auf 475 Metern Seehöhe – mit Fokus auf verantwortungsvolle Zucht und maximale Frische. Qualität statt Masse lautet die Devise.

Kreislaufwirtschaft demonstriert die Fischzucht Moser im Zillertal: Das gereinigte Wasser aus der Anlage bewässert Obst, Gemüse und Nutzpflanzen. Rund um die Teiche wachsen essbare Wildkräuter, die ebenfalls vermarktet werden. Fischzucht wird hier als ökologisches Gesamtsystem gedacht.

Und in Mariazell wachsen bei Decleva’s Alpenfisch Saiblinge und Forellen im eiskalten Wasser aus dem Hochschwabmassiv heran. 6,5 Grad kaltes Quellwasser, Bio-Futter und bis zu drei Jahre Wachstumszeit sorgen für langsame Reifung und außergewöhnliche Qualität – ein Plädoyer für Geduld in einer beschleunigten Lebensmittelproduktion.

Kleine Schritte mit großer Wirkung

Der Fischerschöpfungstag bleibt ein Warnsignal. Doch er erzählt auch eine andere Geschichte: jene einer Branche, die versucht, Verantwortung zu übernehmen. Regionale Zuchtbetriebe zeigen, dass nachhaltige Fischproduktion möglich ist – ökologisch, wirtschaftlich und kulinarisch.

Ob sich der Stichtag in Zukunft weiter nach hinten verschieben lässt, hängt nicht nur von Produzenten ab, sondern auch vom Konsumverhalten. Wer heimischen Fisch kauft, unterstützt kurze Transportwege, strengere Umweltstandards und den Schutz globaler Bestände.

Der 28. Jänner markiert also nicht nur ein Defizit. Er erinnert auch daran, dass jede Kaufentscheidung Teil der Lösung sein kann.

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