Bioregional als Weg in die Zukunft
Die Bio-Bewegung Enkeltaugliches Österreich fordert klare Kennzeichnungen und transparente Richtlinien für „regionale“ Produkte.

ADAMAH BioHof zählt zu den Biopionieren, lebt bio und regional und ist Gründungsmitglied von “Enkeltaugliches Österreich”. Foto vlnr: Stefan, Sigrid, Gerhard, Elisabeth, Christian und Simon Zoubek. ©Sandra Tauscher
Ziel ist es, den Konsumenten eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten und gleichzeitig einen nachhaltigen Wandel in der Lebensmittelproduktion voranzutreiben; bioregional statt oberflächlich regional. Während Bio-Produkte gemäß der EU-Bio-Verordnung streng geregelt und kontrolliert sind, bleibt „regional“ ein schwammiger Begriff, der Raum für Interpretationen lässt. Daraus ergibt sich die zentrale Frage: Wie werden unsere Lebensmittel tatsächlich produziert, und welche Standards werden dabei eingehalten? Gerhard Zoubek, Gründer von Adamah Biohof dazu: „Die aktuelle LK NÖ Kampagne gegen Bio ist ein Schlag ins Gesicht aller Pioniere, die seit Jahrzehnten für eine gesunde Landwirtschaft kämpfen. Jeder Quadratmeter Bio-Anbau ist ein Schutzwall für unser Grundwasser, unsere Artenvielfalt und unsere Zukunft. Wer Bio gegen „Regional“ ausspielt, hat Vieles nicht verstanden.“
Für eine generationenverantwortliche Landwirtschaft
„Der Begriff ‚regional‘ ist gesetzlich nicht definiert“, erklärt Barbara Holzer-Rappoldt, Sprecherin der Bewegung Enkeltaugliches Österreich. „Ein Begriff, der eigentlich für Nähe und Vertrauen stehen sollte, wird zunehmend zu einer unverbindlichen Verkaufsfloskel – oft auf Kosten der heimischen Umwelt, Gesundheit und ethischen Standards.“ Angesichts der aktuellen Diskussionen über die Herkunft von Bio-Produkten, wie sie im Rahmen der Untersuchung der Landwirtschaftskammer Niederösterreich geführt werden, betont Enkeltaugliches Österreich die dringende Notwendigkeit, bei der Basis zu beginnen.
„Wir brauchen klare Regelungen, um festzulegen, was ‚regional‘ ohne ein Bio-Siegel überhaupt bedeutet. Transparente Standards sind unerlässlich, damit Konsumentinnen und Konsumenten bewusst entscheiden können, was sie kaufen.“ Dabei dürfe man jedoch nicht nur die Herkunft („WOHER“) berücksichtigen, sondern müsse auch die Produktionsweise („WIE“) einbeziehen. „Niemand möchte chemisch-synthetische Pestizide im heimischen Gemüsegarten oder schädliche Stoffe in der österreichischen Atemluft. Nitrat im Grundwasser oder den Verlust der biologischen Vielfalt in unserer Region sind ebenso wenig akzeptabel.“ Enkeltaugliches Österreich fordert daher klare Kennzeichnungen und eine umfassende Prüfung des Begriffs „regional“. Nur so können Vertrauen und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion gesichert werden.
Im Rahmen des Bio-Austria-Standards stammen beeindruckende 96 % der Futtermittel aus Österreich. Im Gegensatz dazu werden jährlich über eine halbe Milliarde Tonnen Sojaschrot aus Südamerika importiert, um „regionale“ Produkte herzustellen. Darüber hinaus kommen Kunstdünger und chemisch-synthetische Pestizide, die in der biologischen Landwirtschaft strikt verboten sind, nicht aus Österreich – dies sind nur einige der vielen Beispiele, die die Problematik verdeutlichen.
Ein Schwein, das nur wenige Wochen in Österreich gehalten wird und Futter aus Südamerika erhält, kann dennoch als „regional“ deklariert werden. Genau hier ist eine Diskussion über Herkunftskennzeichnungen und kontrollierte Standards notwendig. Diese Standards werden seit Jahren von bioregionalen Landwirt:innen erfolgreich umgesetzt und sollten die Grundlage für eine transparente Lebensmittelproduktion bilden.
„Es ist ein Irrglaube, dass regional automatisch umweltfreundlicher ist. Die Transportemissionen machen nur etwa 10% der Treibhausgasemissionen in der Lebensmittelproduktion aus. Viel entscheidender ist, wie produziert wird. Wir müssen auch die Folgekosten berücksichtigen, die durch konventionelle Landwirtschaft ‘regional angerichtet’ werden – von Grundwasserbelastung bis hin zu Bodenverarmung. Diese externen Kosten tragen letztlich wir alle.“ Elisabeth Zoubek, Geschäftsführerin vom Adamah Biohof.
Die Lösung liegt auf der Hand
Die Kombination aus biologischer Landwirtschaft und regionaler Wertschöpfung vereint die Vorteile beider Welten. Bioregionale Konzepte zeigen den Weg in die Zukunft. Bio-Produkte folgen weltweit strengen Richtlinien, die laufend kontrolliert werden. Auch in anderen Ländern gibt es strikte Bio-Standards, die jenen in Österreich ähnlich und weit über konventionellen Umweltstandards sind. Darüber hinaus macht der Transport oft nur 5-10% der CO₂ Emissionen aus, der Rest, 90–95% resultiert aus der Produktionsweise, also zum Beispiel Bio oder Konventionell. Die italienische Bio-Erdbeere wird daher in der Klimabilanz wesentlich besser abschneiden als das regionale konventionelle Produkt aus dem beheizten Glashaus im Frühling.
Viele Fakten, die für sich sprechen
Biologisch bewirtschaftete Böden speichern nachweislich rund 40% mehr CO₂ als konventionelle Flächen und beherbergen laut Studien der BOKU Wien bis zu 50% mehr Regenwürmer – ein zentraler Indikator für gesunde Bodenstrukturen. Bio-Lebensmittel enthalten zudem im Schnitt 23% weniger Schwermetalle und kommen ohne synthetische Pestizide aus. Gleichzeitig verursacht die konventionelle Landwirtschaft massive Folgekosten, wie z.B. Trinkwasserbelastung, Bodenbelastung, Biodiversitätsverlust, Klimaaspekte etc.
„Es ist ein Skandal, dass unsere eigene Landwirtschaftskammer die Erfolge der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauer so wenig wertschätzt. Fast ein Drittel aller österreichischen Landwirte arbeitet bereits nach Bio-Standards – und erntet dafür Gegenwind statt Unterstützung. Dies ist unverständlich.“ Manfred Huber, Gründer von Sonnberg Biofleisch
Die Lösung: Bioregional oder Bio
Gefordert wird daher Transparenz, also eine verbindliche Definition des Begriffs ‘regional’ mit klaren, geprüften und kontrollierten Kriterien für die gesamte Wertschöpfungskette. Weiters eine verpflichtende Kennzeichnung aller Betriebsmittel und Futtermittel bei als ‘regional’ beworbenen Produkten sowie eine gezielte Unterstützung für Betriebe, die auf bioregionale Konzepte umstellen. Breit angelegte Informationskampagne sollen über die tatsächlichen Umweltauswirkungen verschiedener Produktionsmethoden informieren und letztlich wird Verantwortung gefordert, also die Einbeziehung der externen Folgekosten konventioneller Landwirtschaft in alle politischen Entscheidungen.
„Bio und regional gehören untrennbar zusammen – alles andere geht auf Kosten unserer Gesundheit, unserer Umwelt und der Zukunft unserer Kinder. Die Zeit für halbe Wahrheiten ist vorbei. Wir brauchen bioregionale Lösungen“ erklärt Barbara Holzer-Rappoldt abschließend.