Was brauchen Schweine zum glücklich sein? Tatsächlich wenig! „Meine kleine Mangalizafarm“ im Waldviertel zeigt, wie schön ein Schweineleben sein kann.

Mangaliza Schwein und Schlamm. So muss es sein. @Nicole Schnitzler

Fünf Hektar Weide bestehend aus Wiese, Sand zum Suhlen sowie ein Platz zum Schlafen. Ein bisschen Stroh und natürlich reichlich Futter. Das ist es. Freilandschweine wie die Schwal­ben­bauch Man­­ga­­li­­za­s sind tatsächlich sehr genügsame Artgenossen. Lucky der Eber lebt mit seinen vier Zuchtsauen und der ganzen Familie im Freien. Einen Stall brauchen sie nicht. Denn selbst im Winter hält ihr dickes Fell sie warm.

Die zwei Mädels sind an der Gründung der kleinen Mangalizafarm nicht unbeteiligt. @Nicole Schnitzler

Kleine Kinder und Erdäpfel

Wie kommt man als Büroangestellte und „Nicht Bäuerin“ auf die Idee Mangaliza Schweine zu züchten? „Mit Kindern war der Arbeitsplatz zu weit vom Wohnort entfernt. Mein Mann Fritz ist Teil­ha­ber eines Kar­­tof­­fel­­schäl­­be­­trie­­bes, in dem täg­lich tau­sen­de Ki­los Ab­fall­kar­tof­feln an­fal­len. Viel zu schade, fand er, diese wöch­ent­lich in die Bio­gas­an­la­ge brin­gen zu las­sen.“ Damit war die Futterfrage für die Schweine auch geklärt.

“Rund 300 kg Erdäpfel vertilgen die 50 Schweine täglich.”

Zusätzlich gibt es Hafer und Gerste. Einmal pro Woche bringt der Bäcker Brotreste. Und im Herbst bekommen sie auch noch jede Menge Äpfel. Am Futterautomaten können sich die Schweine bedienen. Die Weide wurde 2014 gepachtet, 2016 erfolgte die Anmeldung zur Landwirtschaft. Wichtig war die vorgeschriebene, dreifache Einzäunung. „Schweine graben gerne, und das können sie richtig gut.“ Eine der täglichen Arbeiten von Nicole Schnitzler ist daher die Kontrolle des Zaunes. Ansonsten muss sie schaun ob es den Tieren gut geht, sie mit Wasser versorgen und füttern. 

Mangaliza Schweine leben das ganze Jahr im Freien. @Nicole Schnitzler

Stressfreie Schlachtung

Selbst das ist tatsächlich möglich. Nach 15 bis 16 Monaten haben die Tiere ein Gewicht von 150 Kilo. Auf der kleinen Mangalizafarm werden die Tiere mit feinem Futter in eine geräumige Transportbox gelockt. „Das machen wir immer am späten Nachmittag.“ Die Box steht übrigens immer auf der Weide. Ist daher auch nichts Besonderes. Erst am nächsten Morgen kommt die Box auf den Hänger und dann geht es zum ca. 30 Kilometer entfernten Schlachthof nach Münichreith am Ostrong. Dort betreibt Johann Weizenböck den kleinsten EU-Schlachthof der Region. Das Tier wird abgeladen, geht direkt in den Schlachthof. Alles ist sehr ruhig und geht schnell. Jedoch selbst für den erfahrenen Fleischer ist diese Arbeit kein selbstverständlicher Akt. „Und ein Spanferkel, also ein Baby, tötet er nicht.“

Frischfleisch auf Vorbestellung

Das zerlegte Tier wird von Nicole mit Hilfe eines befreundeten Fleischhauers verarbeitet. Frischfleisch gibt es auf Bestellung. Verarbeitet wird natürlich alles vom Kopf bis zum Schwanz. Schmalz, Rohwurst, Bratwürste, … “Wir verwenden nur natürliche Gewürze und auch kein Nitritpökelsalz sondern reines Alpensteinsalz.”

Mangaliza Schweine sind anscheinend neugierig. @Nicole Schnitzler

Vertriebsweg gesucht – Schmankerlhütte entwickelt

In einem 15 Häuser Dorf ist der Vertrieb tatsächlich etwas schwierig. “Es kommt keiner für einen Becher Schmalz und eine Wurst.” So entstand die Idee, eine Verkaufsstelle für mehrere Direktvermarkter zu machen. Gesagt, getan. Direkt an der B 36 wurde ein 24 h Selbstbedienungsshop aufgestellt: Die Schmankerlhütte. Drei mal zwei Meter, zwei Kühlschränke, 9 Direktvermarkter. Der Erfolg war groß. Mittlerweile gibt es eine neue Schmankelhütte. Etwas größer, vier Kühlschränke, einer Kühltruhe und 41 Direktvermarkter. Hier gibt es alles aus der Region zu kaufen, aber nur von kleinen Produzenten. “Man kauft einfach ein, rechnet alles zusammen und wirft das Geld  in die Kasse.” Natürlich ist Vertrauen gut, aber Kontrolle besser. Deshalb gibt es auch eine Videoüberwachung.”

Tipp: Kostproben vom Mangalizaschwein auf bauernladen.at