Glyphosat steht vor dem Aus
Der umstrittene Unkrautvernichter wird hierzulande wohl verboten. Die ÖVP ist dagegen, die Industrie verärgert. Und es gibt eine Unbekannte: die EU
Glyphosat tötet jede nicht gentechnisch veränderte Pflanze
ÖVP will nur sensible Bereiche glyphosatfrei halten
Glyphosat-Facts
- Glyphosat ist das weit verbreiteste Unkrautvernichtungsmittel der Welt. Es ist ein Breitbandherbizid und tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt.
- Es ist in mehr als 160 Ländern zugelassen und wird in riesigen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt. In Österreich wird Glyphosat auf 32 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt.
- 338.000 Kilo wurden 2014 (letze Zahlen) in Österreich verkauft, das sind umgerechnet 2.414 Badewannen.
- Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Glyphosat 2015 als “wahrscheinlich krebserregend” ein. “2A” ist die zweithöchste Gefahrengruppe.
Bauernbund-Obmann Georg Strasser argumentiert mit rechtlichen Gründen. Das Total-Verbot, sagt er, sei nicht EU-konform. Auch die Industrie Gruppe Pflanzenschutz (IGP) kann einem Verbot naturgemäß wenig abgewinnen. Aus dieser Ecke heißt es, den Antrag zu unterstützen, gehe “zulasten von Umwelt und Landwirtschaft”. Glyphosat sei ein nicht weg zu denkender Wirkstoff, vor allem bei bodenerhaltenden Anbauweisen. Pflüge man statt dessen, brauche es ein bis drei Bearbeitungsgänge, um eine ähnliche Wirkungsäquivalenz zur Bekämpfung von Unkraut zu erreichen. Die Folge wären eine Zunahme von Bodenerosion und von CO2-Emissionen durch vermehrte Überfahrten. Im Übrigen gäbe es weniger Ertrag mit schlechterer Qualität. Ganz anders sehen das die NGOs. Bei Global 2000 ist man quasi euphorisch und führt den Erfolg auch auf die 1,3 Millionen europäischen Unterzeichner der Bürgerinitiative “Stopp Glyphosat” zurück. Die Bauern müssten jetzt allerdings Hilfe zum Umstieg bekommen, sagt Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden. Zufriedenheit herrscht auch bei Greenpeace. Deren Landwirtschaftsexperte Sebastian Theissing-Matei sprach von einer überfälligen Entscheidung. Wie geht es jetzt weiter? Eine Abänderung des Pflanzenschutzmittelgesetzes ist schon in der Sitzung des Nationalrates am 2. Juli möglich. Die verbleibende Zeit muss dafür genutzt werden, um alle europarechtlichen Details einzuarbeiten. Europarechtsexperte Walter Obwexer allerdings sicher, dass das ganze Vorhaben nicht klappt. Er sagt, die einzelnen Mitgliedsländer – oder auch Regionen – können nur in absoluten Ausnahmefällen ein Verbot von zugelassenen Wirkstoffen verhängen. Zwei Bedingungen müssen dabei erfüllt werden. Es müssten neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorgelegt werden, die bei der Zulassung von Glyphosat 2017 nicht bekannt waren. Und es müssten spezielle Probleme etwa für Umwelt oder Gesundheit nachgewiesen werden, die es nur in Österreich, aber in keinem anderen EU-Staat gibt. “Keine dieser beiden Voraussetzungen ist erfüllbar, es bräuchte aber beide”, so Obwexer.
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