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Knapp neun Prozent Biolebensmittel wandern in Österreich mittlerweile über die Ladentheken. Nur bei Fleisch und Wurst scheitert es offenbar am Preis.

Wenn ein Bereich innerhalb von fünf Jahren den Umsatz um 50 Prozent steigern kann, dann ist wohl etwas richtig gelaufen. Bei Bio ist das so, sagen die jüngsten RollAma-Zahlen*, die heute veröffentlicht wurden. Wobei die eingekaufte Menge um 7,4 Prozent gegenüber 2017 gestiegen ist und der Wert der Bioeinkäufe um 6,7 Prozent. In anderen Worten heißt das, dass der Zuwachs im Biobereich fünf Mal höher als im Bereich der konventionellen Produkte ist. Ama-Geschäftsführer Michael Blass spricht deshalb auch schon davon, dass Bioprodukte ein “Motor im klassischen Lebensmitteleinzelhandel” sind.

148 Euro gab ein heimischer Haushalt für biologische Frischeprodukte im Lebensmitteleinzelhandel im Schnitt jährlich aus. Das hört sich nicht viel an, aber die Menge macht es. Denn fast jeder Österreicher greift mittlerweile mindestens einmal im Jahr zu einem Biolebensmittel und sowohl die Einkaufshäufigkeit als auch die eingekaufte Menge an Bio-Produkten steigen kontinuierlich an. Gekauft wird am häufigsten im klassischen Lebensmitteleinzelhandel, und zwar mehr als jedes zweite Produkt. Es folgt der Diskonter. Aber, und das ist eine gute Nachricht für die Direktvermarkter unter den heimischen Bauern: Immer mehr kaufen am liebsten direkt bei ihnen. Deshalb liegt der Kauf beim Produzenten mit über 12 Prozent auch bereits auf Platz drei.

Am öftesten wandern ESL-Milch, Eier und Schnittkäse in Bioqualität in die Einkaufskörbe.  Wiewohl fast alle Top-Biosegmente von 2017 auf 2018 wertmäßig zulegen konnten. Alle, außer die Frischmilch: „Bio-Milchtrinker greifen überdurchschnittlich oft zu klassischer Frischmilch, der Abtausch mit der länger frischen ESL-Milch schreitet nun aber auch im Bio-Bereich voran“, so erklärt Blass den Rückgang. Erdäpfel, Frischgemüse und Joghurt sind ebenfalls begehrte Bioprodukte. In Zahlen stammt immerhin schon jedes zehnte Produkt in den Warengruppen Butter, Käse und Obst aus Bio-Landwirtschaft. Der Wermutstropfen hat allerdings auch einen Namen und der heißt in diesem Fall Fleisch, Wurst und Schinken. Da fällt der Bio-Anteil nämlich unterdurchschnittlich aus. Auch der Ama-Geschäftsführer ortet “Wachstumspotenzial”.

Im Ländervergleich liegen unsere neun Prozent Bioeinkäufe über alle Warengruppen verteilt nicht schlecht. Genauer gesagt nehmen wir damit Platz vier in Europa ein (2017). Noch stärkere Bioeinkäufer sind die Dänen, Schweden und Schweizer. Allerdings tun sich die Österreicher auch schwer mit den Bio-Zeichen. Nur ein Drittel der Befragten kennt etwa das EU-Biologo, das auf jedem verpackten Bio-Lebensmittel innerhalb der EU angebracht sein muss, jeder zweite immerhin noch das AMA-Biosiegel. Letztgenanntes kann zusätzlich zum EU-Biologo angebracht sein, wenn bei der Produktion freiwillig höhere Qualitätsstandards eingehalten werden als laut EU-Bioverordnung gefordert. Außerdem garantiert es mit der Herkunftsangabe Austria, dass sowohl die Rohstoffe aus Österreich stammen, als auch die Verarbeitung hier erfolgt ist.

Heimische Bioprodukte im Ausland gefragt

Ein wichtiges Standbein für die heimische Bioproduktion ist auch der Export, wie Barbara Köcher-Schulz, Bio-Marketing-Managerin der Ama bestätigt. Da trifft es sich gut, dass unsere Produkte auch über unsere Grenzen hinaus mit besonderer Natürlichkeit und hoher Qualität verbunden werden, sagt sie. Diese Positionierung sei für Bio-Lebensmittel besonders stimmig. „Gerade im Bereich der Milchprodukte erwirtschaften unsere Produzenten mehr als der Heimmarkt nachfrägt.” Zumal die großen Bio-Absatzmärkte in Europa stark wachsen würden. Tatsächlich setzen Bio-Produkte in Deutschland bereits über zehn Milliarden Euro um, in Frankreich fast acht Milliarden Euro. Von daher liegt es auf der Hand, dass man auch auf der Biofach in Nürnberg stark präsent sein wird, die morgen beginnt.  57 Hersteller sind bei der österreichischen Gruppenausstellung beteiligt, sechzig weitere finden sich in den fachthemenbezogenen Ausstellungsräumen. Insgesamt wird es 2.900 Aussteller geben, die sich auf der Biofach über 50.000 Besuchern präsentieren.

*) Die RollAMA ist die rollierende Agrarmarktanalyse der AMA-Marketing in Zusammenarbeit mit der GfK und KeyQUEST Marktforschung. Basis ist das GFK-Haushaltspanel. Dabei führen 2.800 österreichische Haushalte Aufzeichnungen über ihre Einkäufe im Lebensmitteleinzelhandel. Die Daten umfassen die Warengruppen Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Käse, Obst, Gemüse, Erdäpfel, Eier, Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte, aber nicht Brot und Gebäck. Alle hier gezeigten Graphiken haben die RollAMA als Quelle.

Alle Infos zur Biofach, die vom 13. bis 16. Februar über die Bühne geht, finden Sie hier: http://www.biofach.de