Zwar fiel die Erntemenge 2024 niedrig aus, doch die entstandenen Weine bereiten große Freude: Gut ausgereifte Weißweine und konzentrierte Rotweine.

©️OeWM_Robert-Herbst

Nach einem abwechslungsreichen Witterungsverlauf mit zahlreichen Kapriolen – u. a. Spätfröste, Hagelschauer und Starkregen – endete das Weinjahr 2024 versöhnlich mit einem sehr schönen Spätsommer und Herbst. Die Hauptlese konnte großteils unter günstigen Voraussetzungen eingebracht werden. Im Allgemeinen sind gut ausgereifte, balancierte Weißweine mit feiner Frucht und Fülle sowie gemäßigter Säure zu erwarten, die die Merkmale der einzelnen Rebsorten klar wiedergeben. Die tiefdunklen, konzentrierten Rotweine werden aller Voraussicht nach zu einem großen Jahrgang heranreifen, der zu den allerbesten der letzten Jahrzehnte zählen sollte.

Wetterkapriolen in der Blütezeit

In der relativ warmen Kernphase des Winters 2024 waren im Gegensatz zu den meisten vorangegangenen Jahren ausreichende Niederschläge zu verzeichnen. Der Frühling wurde seinem Namen gerecht und begann bereits Anfang April mit Prachtwetter: wolkenloser Himmel und hohe Temperaturen. Dies führte zu einem extrem frühen Austrieb der Reben, der immer mit einem gewissen Risiko behaftet ist. Denn auch diesmal traten in der zweiten Aprilhälfte die gefürchteten Spätfröste ein, die die Erntemenge veringerten. Sie fielen allerdings gebietsweise recht unterschiedlich aus: Während der Frost in den meisten Gebieten nur tiefer gelegene Rieden betraf, schädigte er im Kamptal und in Teilen der Wachau und Thermenregion auch Toplagen. Gegen Ende Mai und Anfang Juni setzten überall erwünschte Regenfälle ein. Aufgrund des frühen Austriebs fielen sie in den meisten Weinbaugebieten mit der ebenfalls frühen Rebblüte zusammen. Dies führte zu Verrieselungen, die sich später ebenfalls ertragsmindernd auswirkten.

Ein warmer, trockener Sommer

Ab der zweiten Junihälfte begünstigten hohe Temperaturen, die in Niederösterreich und dem Burgenland nahezu den ganzen Sommer bis Anfang September anhielten, das rasche Voranschreiten der Traubenreife. In einigen Gebieten fielen so gut wie keine Niederschläge. Die bedauerliche Ausnahme bildeten einige lokale Unwetter mit starken Hagelfällen, die etwa die Weinorte östlich des Neusiedler Sees, einige steirische Weinbaugemeinden und das nordwestliche Weinviertel trafen. Den Schlusspunkt setzte ein massiver Hagelschlag, der den Wiener Nussberg Ende August heimsuchte, also unmittelbar vor Lesebeginn. Nach einem drückend heißen Monatsbeginn kam es Mitte September im Osten des Bundesgebietes zu einer dramatischen Wende. Diese brachte stellenweise vier Tage anhaltenden und stürmischen Starkregen mit zum Teil noch nie verzeichneten Niederschlagsmengen und katastrophalen Überschwemmungen mit sich. Dies betraf in erster Linie die niederösterreichischen Weinbaugebiete nördlich der Donau und die oberösterreichischen Weinbauenklaven. Schon die südlich der Donau gelegenen Gebiete und das Nordburgenland waren weit weniger betroffen. Aufgrund des warmen Sommerwetters war die Traubenreife glücklicherweise jedoch bereits so weit fortgeschritten, dass viele Winzer den Großteil der Ernte schon vor dem großen Regen eingebracht hatten. Aber auch das danach gelesene Traubengut befand sich bei hoher Zuckerreife in perfektem Zustand. Vielfach wurden gesunde, aber lockerbeerige Trauben mit relativ kleinen, dickschaligen Beeren und geringem Saftanteil gelesen. Gemeinsam mit den erwähnten Widrigkeiten wie Spätfrost, Verrieselung und zum Teil extreme Trockenheit in den Sommermonaten resultierte daraus eine erheblich verringerte Erntemenge, die deutlich unter dem Durchschnitt der letzten Jahre liegt.

Bernhard Scheit, Winzerhof Scheit in Karnabrunn Weinviertel: “Wir hatten 2024 starken Spätfrost und damit rund 40 % weniger Ertrag. Der Sommer war sehr heiß und trocken, was für die Reben durch die Begrünung aber kein Problem darstellte. Der Boden kann das Wasser gut speichern. Die Lese war so früh wie nie und am 21. September fertig, da beginnen wir normal erst. Die Qulität der Weine 2024 ist super, sehr dichte und schön. ©Winzerhof Scheit

Niederösterreich

Zwar war eine rund einwöchige Unterbrechung der Hauptlese die Folge, weil die aufgeweichten Böden der Weingärten nicht befahrbar waren und einige Rebzeilen durch den Sturm in Schieflage geraten waren und erst wieder aufgerichtet werden mussten. Doch dann setzte rasch wieder Schönwetter ein, das im Wesentlichen während der gesamten verbliebenen Lesesaison anhielt. Somit konnten perfekt ausgereifte, dickschalige Beeren in sehr gutem Zustand gelesen werden, die generell zu reifen, großzügigen und gut antrinkbaren Weißweinen von eher zartem Bukett und früher Balance geführt haben. Der Alkoholgehalt liegt wegen der rasanten Zuckerbildung im kräftigeren Bereich, die Säurewerte im niedrigeren bis mittleren. Schon in den Jungweinen kommen die Charakteristika der Rebsorten gut, doch in dezenter Weise zum Ausdruck – etwa bei Grünem Veltliner oder Riesling. Auch die Sorten der Burgunderfamilie sollten von den beschriebenen Ausgangsbedingungen profitieren und ihre sortenspezifischen Attribute zur Geltung bringen. Das gilt gleichermaßen für lokale Raritäten wie Roten Veltliner, Neuburger, Rotgipfler und Zierfandler und für die immer bedeutsameren PIWI-Sorten. Bei den aromatischen Rebsorten wie Gelber Muskateller, Sauvignon Blanc und Traminer ist aufgrund der raschen Reifeentwicklung mit eher zurückhaltender Aromatik und einem ausgewogenen Geschmacksbild zu rechnen.

Große Freude über die Ernteergebnisse herrscht in den beiden niederösterreichischen Rotwein-Hochburgen Thermenregion und Carnuntum sowie in den Weinviertler Rotweinenklaven, da aus dem tiefdunklen Saft der dickschaligen, kleinen Beeren ungemein dichte und dunkelbeerige Jungweineentstanden sind. Quer durch das Sortenspektrum lassen sich exzellente Rotweinqualitäten erahnen, die sogar das hohe Niveau der letzten drei Jahrgänge noch übertreffen könnten.

Burgenland

Auch im Burgenland gab es durch die Regenfälle Mitte September eine kurze Unterbrechung der Lese. Allerdings fielen die Niederschläge sowohl am Leithaberg als auch östlich des Neusiedler Sees bereits deutlich schwächer aus, was für das Mittelburgenland und den Süden des Burgenlands erst recht zutraf. Die Weißweinlese war zu diesem Zeitpunkt schon abgeschlossen und erbrachte aufgrund der hohen Reife und Zuckergradation vollreife, kräftige Weine mit entsprechendem Alkoholgehalt. Sie zeichnen sich durch frühe Harmonie aus. In den nordburgenländischen Rotweingemeinden wurden sogar Blaufränkisch, Cabernet & Co. zum überwiegenden Teil schon vor der regnerischen Zäsur gelesen. In den mittelburgenländischen Rotweinzentren Neckenmarkt, Horitschon und Deutschkreutz wurde dieser Lesetermin am ehesten für Zweigelt und Rosé genützt. Auch dort konnte der Regen der großartigen Qualität jedoch nicht das Geringste anhaben, was gleichermaßen für die südburgenländische Weinidylle rund um den Eisenberg gilt. Generell konnten eher kleinbeerige Trauben mit zum Teil ganz ungewöhnlich hohen Zuckergradationen eingebracht werden, die sehr farbintensive, konzentrierte Jungweine voll Saft und Kraft sowie reifer Tanninfülle ergeben haben. Diese überaus erfreuliche Prognose erstreckt sich auf sämtliche burgenländische Rotweingemeinden wie auch auf alle Rebsorten. Die heimischen Leitsorten Blaufränkisch und Zweigelt sollten somit ebenso überzeugen wie Cabernet, Merlot, Syrah und Pinot Noir. Alles in allem ist also von Rotweinen auszugehen, die zu den allerbesten der letzten Jahrzehnte gehören dürften.

Ende November konnte rund um den Neusiedler See auch eine kleine Menge an hochgradigen Süßweinen mit der begehrten sauberen Botrytis gelesen werden. Die zur Erzeugung von Eisweinen erforderlichen tiefen Temperaturen sind hingegen bis dato ausgeblieben.

“Der neue Welschriesling Jahrgang ist wieder ein frischer, fruchtiger Spitzenwein”,freut sich Franz Stadlmann, Weingut Stadlmann St. Andrä am Zicksee, der es über die vergangenen Jahr geschafft hat, seinen Welschriesling zu einer Benchmark im Rotweinland Burgenland zu machen. ©Weingut Stadlmann

Steiermark

Alle drei steirischen Weinbaugebiete haben von einer im Vergleich zu den übrigen Regionen günstigen Verteilung der Niederschläge profitiert. Geringerer Traubenansatz, Spätfröste in den tieferen Lagen und Verrieselung in der Blütezeit sowie lokale Hagelschäden führten aber auch dort zu einer deutlich unterdurchschnittlichen Erntemenge. In den sonnigen Sommermonaten gab es immer wieder Niederschläge, die die Reifeentwicklung des gesunden Traubengutes vorantrieben. Im September sorgten wenige Regentage für eine kurze Pause, bevor eine für steirische Verhältnisse frühe Lese begann. Bei prächtigem Herbstwetter wurde diese recht rasch durchgezogen. Allgemein sind dichte, zum Teil kraftvolle Weine zu verzeichnen, wobei die steirische Leitsorte Sauvignon Blanc auch die begehrten Sortenattribute in reifer Ausprägung besitzen sollte – die besten Exemplare werden zweifellos großzügigen Körperbau mit hellen Fruchtaromen und klarer Struktur verbinden. Die zuletzt immer stärker in den Fokus gerückten Burgundersorten sollten aufgrund der sie besonders begünstigenden klimatischen Verhältnisse ausgereifte Weißburgunder, Grauburgunder und Chardonnays voll Fruchtschmelz und stattlichem Gewicht ergeben.

Diese hervorragenden Aussichten gelten erfreulicherweise für alle steirischen Weinbauzonen, also für das Vulkanland genauso wie für das Sausal oder die Südsteirische Weinstraße. Auch für den Schilcher waren die Bedingungen vorzüglich. Schon die in den kühleren Lagen für die Schaumweine vorgenommene Vorlese ergab eine seltene Balance von Zuckerreife und physiologischer, also gesamtheitlicher Reife. Dieses harmonische Ergebnis setzte sich bei den später gelesenen Weinen aus den steilen Südlagen fort: Auch diese besitzen trotz reicher Substanz die unnachahmlichen Sortenmerkmale, die im Duftspiel nach Himbeeren, Erdbeeren und roten Ribiseln zur Geltung kommen.

Wien

In den Weingärten von Grinzing, am Nussberg, Bisamberg und Maurerberg fielen die Resultate der aktuellen Lese besser aus, als teilweise nach den heißen und trockenen Sommermonaten erwartet wurde. Jedoch war auch in den Wiener Weinbaufluren die Erntemenge deutlich geringer als im Durchschnitt, wofür auch ein starkes Hagelunwetter mitverantwortlich war, das sich unmittelbar vor der Hauptlese am 19. August über dem Nussberg entlud. Glücklicherweise trockneten die beschädigten Beeren durch die nachfolgende Hitzewelle, die bis Mitte September anhielt, rasch. Dennoch musste der durch seine dünne Beerenhaut empfindliche Grüne Veltliner ohne Verzug geerntet werden. Im Großen und Ganzen fand die Hauptlese vor dem starken Septemberregen statt, da ohnehin bereits eine beachtliche Traubenreife gegeben war. Nach dem großen Regen wurden etwa noch einige Rieslinge eingebracht, die diesen schadlos überstanden haben. Auch in den Döblinger, Floridsdorfer und Liesinger Weinbergen wurden ausgereifte wie elegante Weißweine von hoher Gradation gewonnen, die wieder vielschichtige Wiener Gemischte Sätze, rassige Rieslinge und körperreiche Weißburgunder erwarten lassen. Naturgemäß haben auch die Rotweine von diesen Umständen profitiert.

Angetrieben von höchsten Ambitionen, führt Rainer Christ das Weingut mit einer klaren Vision. Sein Ziel ist es, dem Bisamberg und seinem einzigartigen Terroir die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Dafür werden sämtliche Prozesse im Weingarten und bei der Weinbereitung sorgfältig überprüft und optimiert. ©Weingut Christ

bauernladen.at akzeptiert Online-Zahlungen per: Visa Mastercard Maestro Diners Club PayPal EPS Apple Pay