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Der Geflügel-Konzern MHP führt Hühnerbrüste aus der Ukraine an den geltenden Importbeschränkungen vorbei in die EU ein. Dazu reicht ein simpler Trick.

Können Sie sicher sein, dass Hühnerbrüste, die als EU-Ware deklariert sind, aus der EU stammen? Nein. ©Panthermedia

Wer Hühnerbrüste aus ukrainischer Massentierhaltung zollfrei in die EU bringen und Importbeschränkungen umgehen will, der braucht dazu nur einen kleinen Kniff anwenden. Man lässt einfach einen winzigen Teil des Flügels dran. Schon fällt das Ganze nicht mehr unter Hühnerbrust – das ist der teuerste Teil, dessen Import in die EU beschränkt ist, sondern unter minderwertige Teile. Man zahlt keinerlei Abgaben im Rahmen der “vertieften und umfassenden Freihandelszone” (DCFTA) und kann unbegrenzt importieren. Doch, das geht wirklich so einfach. Der ukrainische Geflügelfleisch-Marktführer MHP Agroholding, hinter dem der Oligarch Yuriy Kosiuk steht, macht es Tag für Tag vor. Und weil das so gut klappt, will der Konzern seine Aktivitäten in der EU ausweiten. Daheim ist man ja schon Marktführer. Der europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) gefällt das offenbar. Sie hat MHP sogar kürzlich einen 100-Millionen-Euro Kredit für den Kauf des slowenischen Fleischproduzenten Perutnina Ptuj gewährt. An den EU-Abgeordneten Annie Schreijer-Pierik und Jeroen Lenaers aus den Niederlanden sowie Jim Nicholson aus Nordirland ist diese Praxis schon im Frühjahr 2018 nicht spurlos vorübergegangen. Sie haben diesen Import durch die Hintertür damals schon in einer schriftlichen parlamentarischen Anfrage thematisiert. Genutzt hat es allerdings nichts. Deshalb legen jetzt der grüne EU-Parlamentarier Thomas Waitz und die Kampagnen-Organsiation Shifting Values nach und thematisieren einmal mehr öffentlicheitswirksam, wie MHP die EU-Importbestimmungen umgeht und den europäischen Markt mit Hühnerfleisch überschwemmt.

Wie aus ukrainischem Billigfleisch teure EU-Ware wird

Zur Praxis des Konzerns gehört auch, dass die Ware aus ukrainischer Massentierhaltung nach einem weiteren Griff in die Trickkiste wieder zur teuren EU-Ware wird. Dazu braucht es nur Tochterbetriebe in einem EU-Land, in denen die Knochen wieder entfernt werden. MHP hat solche in Slowenien und Holland. Schwuppdiwupp werden dort aus den gerade noch minderwertigen Fleischteilen wieder teure Hühnerbrüste und noch dazu welche, die jetzt aus der EU kommen. Dass man sie damit auch noch zollfrei in Drittländer wie Südafrika exportieren kann, ist da nur mehr die Draufgabe. Jetzt stellt sich noch die Frage, warum die Ukraine überhaupt Fleisch in die EU bringen kann. Schuld daran ist das so genannte Assoziierungsabkommen, das vor zwei Jahren mit dem Beitrittskandidat abgeschlossen wurde. Im Gegenzug hatte man der Ukraine abgerungen, die EU-Tierschutzrichtlinien einzuhalten. Thomas Waitz, grüner EU-Parlamentarier glaubt daran allerdings nicht: „Es gibt nicht einmal den versprochenen Aktionsplan, geschweige denn, dass die EU-Standards eingehalten werden.“ Inzwischen gibt es auch von Seiten der EU eine Reaktion. Allerdings eine recht eigenwillige. Das Assoziierungsabkommen soll adaptiert werden, die Quote der legal zu importierenden Hühnerbrustimporte auf die Zahl der bisher durch die Hintertür gekommenen angehoben werden.

Geflügelgigant MHP: Im Jahr 2017 schlachtete der Konzern MHP 312 Millionen Hühner – mehr als 850.000 an pro Tag. MHP verdankt seine rasante Expansion und seine extreme Dominanz im ukrainischen Geflügelmarkt (Marktanteil 64%) nicht zuletzt der Unterstützung durch öffentliche Mittel. Internationale Entwicklungsbanken (v.a. IFC und EBRD) stellten mehr als eine halbe Milliarde Euro zur Verfügung, unter anderem um die größte Geflügelmastanlage Europas (Kapazität im Endausbau: 220 Mio. Hühner/Jahr) in der ukrainischen Region Vinnytsia zu finanzieren.  Quelle: https://shiftingvalues.com