Das Start-up Phytoniq kultiviert mittels der Anbaumethode Aeroponik in Österreich Wasabi. Dabei hängen die Pflanzen mit den Wurzeln frei in der Luft.

Sattes Grün im Phytoniq Wasabi Labor. Im Sommer wandern die Pflanzen in die Betriebsstätte. © Phytoniq Wasabi

Mehr als 400.000 Euro über Crowdfunding zu generieren: Da muss eine Idee schon sehr gut sein, wenn man das schafft. Martin Parapatits ist es auf Greenrocket 2018 gelungen, weil er so eine Idee hatte: den eigentlich in Japan beheimateten Wasabi, auch japanischer Meerrettich oder Wassermeerrettich genannt, in Österreich zu kultivieren. Und nein, das was Sie als Beilage zu Sushi bekommen, kennt Wasabi meist nur vom Hören-Sagen. “In der Regel ist es ein Mix aus Kren und Senf mit etwas Chlorophyll für die die grüne Farbe. Nur in hochwertigen japanischen Restaurants erhält man wirklich Wasabi”, sagt Parapatits. Wäre das auch gleich geklärt. Wasabi anzubauen, ist jedenfalls keine einfache Sache. Der Kreuzblütler mag es, in der Nähe von sauerstoffreichen Gebirgsflüssen zu wachsen und verträgt nicht viel Frost. Damit sind die Outdoor-Anbauflächen limitiert und die Nachfrage ist größer als das Angebot. Deswegen gehört der Wasabi auch zu den so genannten “High Value Crops”, das sind schwierig zu kultivierende, regional schwer verfügbare Pflanzen mit hohem Wert. Was so ein Kilo Rhizome im Schnitt kostet? Zwischen 280 und 580 Euro.

Luftwurzler statt Landeier

Lukrativ genug, um ein Business daraus zu machen, ist der Wasabi-Anbau also allemal. Aber wie sollte das in Österreich funktionieren? Parapatitis, ursprünglich Bauingenieur, heute Umweltwissenschaftler und Astronom, fand die Antwort ausgerechnet bei der Nasa. Dort schwört man im Hinblick auf Weltraumfahrten seit den 1990ern nämlich auf Aeroponik. Noch nie gehört? Bei dieser Anbaumethode wächst eine Pflanze nicht in der Erde oder in einem Substrat, sondern “steckt” in der Luft – mit frei hängenden Wurzeln, die  ständig mit einer Nährstofflösung benetzt werden. Das so genannte “Aerosol” wird mithilfe von Zerstäubern vernebelt.  Parapatits setzt auch auf diese Methode, weil sie nachhaltig ist. “Dahinter steckt ein rezirkulierendes System. Die Nährstoffbenebelung läuft im Kreis. Dadurch können wir sehr wasser- und nährstoffsparend arbeiten.” Zudem sei das Wasser durch die Vernebelung sauerstoffreich und die Pflanze erhalte die Nährstoffe häppchenweise. Im Vergleich zu herkömmlichen Anbaumethoden spart man in einer Aeroponikanlage satte 95 Prozent Wasser und 85 Prozent Düngemittel. Pestizide werden sowieso nicht eingesetzt, schlicht, weil es keine Schädlinge gibt. CO2-neutral ist das ganze dank Fotovoltaik und Ökostrom auch noch. Und platzsparend durch den Etagenanbau sowieso. Pro Quadratmeter Bodenfläche ist deshalb auch mit einem mindestens drei mal so hohen Ertrag zu rechnen wie im konventionellen Anbau. Bis sich die fertige Rhizome ausgebildet haben, dauert es allerdings ein Jahr. Verwertet wird alles – Blüten, Blätter, Stengel und Rhizome. “Wir haben uns dem Zero Waste-Prinzip verschrieben”, so Parpatits.

Gaumenschmaus und Phytorohstoff

Die erste Ernte wird es noch heuer geben. Parapatits rechnet damit, im Vollausbau etwa 10 Tonnen Rhizome pro Jahr zu ernten, die dann um anvisierte 300 Euro das Kilo über den Ladentisch wandern werden. Im Augenblick widmet man sich der Jungpflanzenaufzucht. Im Sommer wird die Betriebsstätte im burgenländischen Oberwart eröffnet, die gerade entsteht, und mit der Produktion begonnen. Abgewickelt werden die Geschäfte über Phytoniq Wasabi, eine Tochterfirma der 2017 gegründete Firma Phytoniq, in der inzwischen neun Leute werken, die elf Studienrichtungen vereinen – von der Biologie über die Elektrotechnik bis hin zur Lebensmittelwissenschaft. Der größte Teil der Ernte wird mit etwa 70 Prozent an Restaurants gehen. Zehn Prozent können private Kunden über einen Webshop erwerben. Bleiben noch 20 Prozent? Richtig. Die gehen in Richtung Pharma, denn Parapatits will mit dem Wasabi nicht nur kulinarisch durchstarten, sondern damit auch in der Mikronährstoffbranche und der Kosmetikindustrie reüssieren. “Wasabi wirkt allem voran bedingt durch seine langkettigen Senföle antibakteriell, entzündungshemmend, thrombozytenagregationshemmend und hat sogar einen krebshemmenden Effekt”, erläutert der Phytoniq-Geschäftsführer, der global dazu bereits existente Studien auch nach europäischen Standards verifizieren will. Ein längerfristiges Projekt, wie er sagt. Hilfreich in diesem Zusammenhang dürfte eine bereits im Mai 2018 eingegangene Kooperation mit dem österreichischen Mikronährstoffproduzenten Biogena sein, mit dem man innovative Möglichkeiten im Bereich Phyto-Rohstoffe entwickelt und zur Marktreife bringen will.  Aeroponik würde auch mit Salaten oder Microgreens funktionieren, aber Parapatis will weiter bewusst auf die Nische der Pflanzen mit hohem Wert setzen. Nicht zuletzt, weil er davon überzeugt ist, dass die Big Player, sobald Indoor Farming für sie zum Thema wird, mit Salat und Co. starten werden. Selbst hat er übrigens mit seinem Team auch schon wieder Zukunftspläne. Nach abschließenden Tests, die gerade laufen, will er schon diesen März die nächste Pflanze aus seinem “High Value Crops”-Repertoire präsentieren. Wir bleiben dran!

https://www.phytoniq.com