In Österreich wird neuerdings nicht nur Reis angebaut, sondern auch ein eigenwilliges Bier mit dem Namen “Calafati” daraus gebraut.

Gregor Neumeyer baut  seit 2015 Reis an. In Österreich. Genauer gesagt in Gerasdorf. Das ist nicht besonders nahe liegend und steht vermutlich für seinen Sinn für’s Ungewöhnliche. Daraus auch Bier zu brauen, scheint da nur mehr der nächste naheliegende Schritt gewesen zu sein. Zudem Neumeyer 2017 Kurt Tojner kennenlernte  und dann beide zusammen recht schnell mit dieser Idee schwanger gingen. “Nach zwei Testbraugängen – einmal mit ungeschältem und einmal mit geschältem Reis – waren wir sofort sicher, das müssen wir unbedingt umsetzen”, sagt Tojner rückblickend. Der ist seit den 1990er Jahren Heimbrauer und seit 2016 mittlerweile als Gypsy Brewer, sprich Gastbrauer, in heimischen Braustätten unterwegs und braut seine eigenen Biere mit der Rodauner Biermanufaktur.

Über den hellen, fruchtigen Calafati

Aus der Idee, ein Reisbier zu brauen, wurde am Ende ein helles Lager mit Reis, das sich fruchtig trocken, ein wenig erdig-getreidig und moderat bitter zeigt. Doch wie genau entsteht es? Tojner erläutert: “Der Reis wird zuerst gekocht, um die Stärke zugänglich zu machen, und dann mit dem Malz gemeinsam eingebraut.” Die Ingredienzen? Sind 25 Prozent geschälter Naturreis aus der 2018er Ernte, Pilsner und etwas Münchner Malz. Dazu kommt in diesem Jahr noch etwas mehr Perle, ein traditioneller feiner Hopfen.

Vorgestellt wurde das Reisbier im Gerasdorfer Reisfeld. ©Österreis

Vorgestellt wurde die Kreation erstmals am 15. August 2018 beim Feldtag auf Neumeyers Reisfeld. Und natürlich hat das ungewöhnliche kühle Goldbraune auch nicht irgendeinen Namen: Calafati heißt es. Der Bierbrauer erklärt, warum gerade dieser Name nahe liegt: “Wenn man an die Region denkt, Reis im Bier und Wienbezug, ist Calafati der Name für das Bier, der sich sofort aufdrängt.” Calafati, das ist jene Figur, die am Ringelspiel von Basilio Calafati  thronte – der vor langer Zeit ein Schausteller im Prater war. Die Wiener sagten seinerzeit übrigens dazu „Da große Chineser”, womit auch die Reis-China-Connection hergestellt wäre.

Und was sagt ein Bier-Experte dazu?

“Im Duft meldet sich die ungewöhnliche Brauzutat als zart erdige Komponente, die an die Galgant-Wurzel der Thai-Küche erinnert”, sagt trinkprotokoll.at-Betreiber Roland Graf über die Reis-Komponente. Im Vordergrund des goldbraunen Gebräus blieben aber die Orangenschalen und Honigmelone beim 4,8 Prozent starken Neuzugang aus Rodaun. Und im Antrunk? “Denkt man an Melone, nicht süß, sondern kühl ist der fruchtige Ausdruck.” Doch der Calafati hat auch eine würzige Seite: “Sie bringt ein wenig Salzigkeit, dazu auch einen Touch gepopptes Getreide  – Rice Crispies, wenn man so will, und eine leichte Pikanz mit.” Im Nachtrunk schließlich vereine sich das Potpourri aus den fruchtigen, salzigen und spicy Akkorden zu einem an Gelben Paprika, oder gleich Peperonata, erinnernden Geschmacksfinale. Warum der Calafati nur zu einem Viertel aus Reis besteht? Auch das weiß Graf: “Ins Bier darf er von Gesetzes wegen nur in einem maximal 25prozentiger Anteil. Reine Reisbiere, unter Brauern als zu dünn verfemt, sind hierzulande daher auch gar nicht möglich.” Wer das Reisbier jetzt testen will, serviert es am besten zu Gerichten der Ethnoküche – etwa Tandoori-Huhn. Allerdings heißt es, noch etwas Geduld haben. Aktuell ist der Calafati nämlich ausgetrunken, sagt Neumayer. Der Calafati 2019 wird allerdings bereits ab Mitte April verfügbar sein. Und er präsentiert sich mit einem Deut mehr Hopfen. Das macht das Bier noch frischer, fruchtiger und passt zur wärmeren Jahreszeit.

Rodauner Calafati
Helles mit Naturreis
untergäriges unfiltriertes Vollbier mit 25% Rohfrucht Reis
11,7° Stammwürze, 4,8% Vol. Alk., 20 IBU

http://www.oesterreis.at

http://www.rodauner-biermanufaktur.at