Georg Matthes will herausfinden, was Brot über die EU verrät. 28 Mal stellt er landestypische Brote vor und setzt sie in politischen Kontext. Für Österreich steht – no na – die Kaisersemmel.

Matthes wiegt den Zustand der EU mit dem Brot ihrer Länder ab – mit einer alten Waage seiner Oma. ©DW/Matthes

Sagenhafte 10 Millionen Treffer finden sich unter dem Hashtag #bread auf Instagram. Die waren es aber nicht, die Georg Matthes zum Backen gebracht haben. Schuld daran ist London. Dort studierte der heutige Politikkorrespondent der deutschen Welle Anfang der 2000er Jahre und vermisste eines: gutes Brot. Die englischen Brotsorten deprimierten ihn, sagt er heute. Was tat er also? Selbst Backen. Seine Gene waren dabei kein Nachteil. Schon die Oma backte, und die Vorfahren hatten sogar eine eigene Bäckerei. Seine Kollegen in Brüssel kennen Matthes Brotspezialitäten. Und sie waren es schließlich auch, die ihn dazu ermutigten, eine TV-Serie zu entwickeln, die seine beiden Expertisen verbindet: Brot und Politik. Schließlich gibt es bis heute viele Geschichten und politische Gleichnisse, die in den gebackenen Spezialitäten eines Landes entdeckt werden können. Und genau die sind jetzt Thema einer neuen Serie der deutschen Welle namens Baking Bread. In jeder Episode backt Matthes ein traditionelles Brotrezept aus einem der 28 EU-Staaten und stellt es in Kontext mit “lustigen und harten Fakten” aus der politischen Kultur eines jeden Landes.

Was Weizenkörner mit Macht zu tun haben

Dass Brot seit tausenden von Jahren ein Zeichen für politische Stabilität ist, ergibt sich alleine aus seiner Rolle als Hauptnahrungsmittel. Abgesehen davon, dass es  geschichtlich auch für Parolen in Revolutionen und Aufständen herhalten musste. Unvergessen ist etwa Mirabeus Verkündung “Alle Politik geht von einem Weizenkorn aus” während der Frühphase der französischen Revolution. Oder Lenins Schlachtruf bei der Oktoberrevolution 1917 “Brot, Land und Frieden!”. “Brot und Rosen” lautete die Forderung der Frauen-Bewegung im frühen 20. Jahrhundert. Und selbst wer ins alte Rom zurückgeht, wird bei Poet Juvenal fündig. Der stellte fest, dass Brot und Unterhaltung häufiger dem Machterhalt dient, als ein politisches Programm.

Brot steht für Europa

Matthes sagt: “Brot steht für Europa. Es gibt so viel Vielfalt und es ist kulturell tief verwurzelt mit europäischen Ideen.” In den regionalen Spezialitäten und ihren Zutaten könne man viel über die internationale Geschichte eines Landes erfahren. Ein Beispiel? Natronpulver, das für den lockeren Teig des traditionellen irischen Soda-Brotes sorgt. Sein Ursprung liegt in den USA. Somit sei das Brot nicht nur Symbol für Irland, sondern zeuge von Migration und politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Und wussten Sie, dass 22 ehemalige US-Präsidenten irische Wurzeln haben, darunter Barack Obama. Zufall? Nein, solche Hintergründe finden sich mannigfaltig. Im holländischen “Tigerbrot” beispielsweise ist Sesamöl und Reispaste enthalten. Die kommen aus Indonesien, das einst eine niederländische Kolonie war. Und genau dort liegen auch die Wurzeln des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders: Seine Mutter wurde dort geboren.

Auch das im Hinblick auf Brot ungeliebte Großbritannien ist noch Teil der Serie, genauer gesagt das dort etablierte Sauerteig-Sandwich: die Erfindung, die dem Earl von Sandwich zugeschrieben wird und die vom Wall Street Journal einmal als Großbritanniens “größter Beitrag zur Gastronomie” bezeichnet wurde. Das Sandwich funktioniert nur dann, wenn man zwischen den beiden Scheiben etwas hinzufügt – und das könnte sehr gut die Rolle der EU sein, schlägt Matthes vor.

“Nicht nur kleine Brötchen backen”

Auch  die Projektentwickler der Serie hielten sich übrigens an ein Sprichwort, als sie unsicher waren, ob sie alle 28 EU-Mitgliedstaaten mittels Videos abdecken sollten. Am Ende wollten sie nicht nur “kleine Brötchen backen”. Matthes selbst testete jedes Rezept persönlich und hielt sich dabei penibel an die Vorgaben: “Du musst dich an die Regeln halten, wenn du Brot backst”, betont er. Genau das ist auch einer der Ratschläge, die er EU-Mitgliedsstaaten wie Polen oder Ungarn gibt, die Gesetzesregelungen untergraben wollen. Sie sollten sich an das “Rezept” halten und die Regeln befolgen, die sie mit ihrem Beitritt zur EU unterschrieben haben. Bleibt noch eine Frage: Wann wird die Kaisersemmel in politischen Kontext gesetzt? Wir wissen es: Am 27. Februar auf dem Youtube-Kanal der Deutschen Welle. Und hier ist das Video auch schon:

https://www.dw.com/de/baking-bread-kaisersemmel-aus-%C3%B6sterreich/av-47700440

Die Serie “Baking Bread” Seit dem 30. Januar erscheinen wöchentlich insgesamt 28 Episoden von Baking Bread in Deutsch und Englisch. Zusammen mit den Videos, die humorvoll Rezepte mit Politik verbinden, wird es eine separate Serie von YouTube-Clips auf dem Euromaxx-Kanal der Deutschen Welle geben, die Details zu jedem Rezept liefern.