Nicht überall, wo Kunst drauf steht, ist auch Kunst drin. Kunstleder fällt mir da ein, Kunststoff, oder Kunstdünger. Letzterer kommt im Übrigen nicht nur gekünstelt daher, sondern ist auch noch gleich die Wurzel allen Übels dazu, wie mir meine 92jährige Oma letztens mal bei einem Plauscherl erzählt hat. Von der ich nebenbei gesagt erwarte, dass sie mir ihre verdammt guten Gene vererbt hat, weil so geistig hell und körperlich fit, wie die ist, das ist nicht Usus in unseren Breiten. Aber die Oma war auch eine Bäuerin vom alten Schlag, eine Handarbeiterin.

Maschinelle Träume hatte man vor 70 Jahren ja noch keine. Und eh war das nicht lustig.

Aber eins wars mit Sicherheit: gesünder. Bio, genauer gesagt, ohne dass ‚Bio‘ drauf gestanden ist. Die Oma sagt, alles war gut auf der Insel der Seligen – bis der Kunstdünger gekommen ist. Zwar gab es weniger Ertrag, aber dafür qualitativeren. Und sie erinnert sich noch genau, wie der dann gekommen ist, und die Felder urplötzlich alle unnatürlich schön in Saft und Kraft standen. Wie die Nachbars-Bauern  immer mehr ernteten, den Kropf trotzdem nicht voll kriegten und immer noch mehr düngten. Und dass sie heute noch auf einen Blick kunstgedüngte von biologisch bearbeiteten Feldern unterscheiden kann. Eh keine Kunst, sagt sie, Letztere schauen jetzt halt wieder aus wie früher.

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