Nach den fleischlastigen Gelagen des Dezember frage ich mich jährlich wiederkehrend, ob mein Glücksindex damals als Vegetarierin zu Jesukindleins Geburtstag eventuell ein bisschen höher war. Gut, ich war die ganzen zehn Jahre nie hardcore unterwegs. Meine Mutter beispielsweise platzierte bei ihren (seltenen) Besuchen jedesmal eine gefühlte halbe Sau in meinem Kühlschrank und ich hab sie gelassen. Ich habe meiner Oma verziehen, die mich bei jedem Schweinsbratl motivierte: “Aber a bisserl a Sauce mit Knedl kannst scho essen!” Ich hab mich auch nie mit Radikaltierschützern solidarisiert und nur in seltenen Fällen einen Anflug von Sympathie dafür gehegt (=Abhören unnötig). Kaum etwas konnte mich aus meiner tiefen pflanzenbasierten Ruhe bringen. Außer einer brachte die dümmstmögliche Frage aufs Tablett. Wie der eine scharfe Kerl, mit dem ich damals essen war.

“Kosten?” hielt er mir ein Steakstück unter die Nase. “Na”, sagte ich, “ich bin Vegetarierin.” Drauf er – wofür es die Goldmedaille gab: “Echt, und was isst man da so? “

Ich wollte wie immer in solchen Fällen loslegen, dass nicht nur unsere Laufställe, sondern auch die Äcker und Bäume echt ordentlich was hergeben und rüstete mich für A-Z, Amaranth bis Zwetschke. Sagte dann aber aus einer göttlichen Eingebung heraus: “Gebackenen Emmentaler und Eierspeis und so.” Worauf der Mann befriedigt war. Allerdings bemerkte er meinen klitzekleinen Anflug von Ironie nicht und holte gleich auch noch die Silberne: “Und Fisch darf man da a kan essen?” “Na ja”, sagte ich “prinzipiell darf man alles essen. Außer Menschen. Aber da halten sich auch nicht alle dran.” Ich glaub, ich warte vielleicht doch noch bis nächste Weihnachten, um den fleischlichen Genüssen wieder abzuschwören. Zwegen meinen Nerven.

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